Freitag, Juni 27, 2008

zivilcourage und klare worte in der provinz

wir stehen im finale, die fans verschiedener nationen feiern gemeinsam in unserer stadt, alles wird gut.ja, offenbar wird wirklich einiges mal gut...

was mich gestern abend schon vor dem finale in völlige hochstimmung versetzte, war der grandiose, auf den punkt gebrachte kommentar des chefredakteurs in unserer geschätzten heimatzeitung.
chapeau! das trifft es auf den kopf.

ein leserbrief zeigt deutlich die notwendigen konsequenzen, die sowohl der spielverein, als auch die politiker ziehen müssen. die frage, ob bürger mit einer derartigen politischen auffassung in offizieller funktion tragbar sind, ist legitim und eine Antwort tut not.

wer, wie herr petri, über jahrzehnte rechtsextremes gedankengut vertritt und sogar auf dem zweiten listenplatz der npd in rheinland-pfalz kandidiert, kann kein aufrechter demokrat sein. wer in dieser funktion die kruden, staatsfeindlichen ideen dieser partei teilt und sich dafür bewirbt, diese vorstellungen im bundestag zu vertreten, kann nicht auf dem boden unserer verfassung stehen. und herr petri wird ja nicht aus einer bierlaune heraus seine kanditatur zugesagt haben.

ich finde es äußerst bemerkenswert und beispielhaft, wie sich in unserer stadt zivilcourage und demokratische grundüberzeugungen zeigen. mehr davon!

Donnerstag, Juni 26, 2008

was haben eva herman, petri und die teutonen gemeinsam?

gestern noch standen die türkischen und deutschen fußballprofis auf dem platz und bezogen stellung gegen rassimus, heute lese ich, dass ein deutscher provinzverein einen vorsitzenden mit brauner vergangenheit und gegenwart völlig legitim findet.

bass erstaunt nahm ich heute morgen den leserbrief der teutonia, lippstadt, zur frage der politischen und öffentlichen tragbarkeit ihres ersten vorsitzenden zur kenntnis. erstaunt deswegen, weil das sich hier zeigende verständnis von meinungsfreiheit, demokratie und sport doch reichlich bedenkenswert ist.

dort ist von "empörung", "geschmacklosigkeit", "anmaßung" und "schlechtem stil" die rede. sport und politik dürften nicht vermischt werden, lesen wir da. ja, holla. das kommt mir doch sehr bekannt vor.

"Für uns Sportler zählt n u r seine jahrzehntelange, unermüdliche und erfolgreiche Arbeit als Vereinsvorsitzender von Teutonia 08!"

warum fällt mir da nur eva herman ein? wahrscheinlich, weil die herren von teutonia sich in diesem leserbrief als ähnlich naiv outen. wenn es nicht an ihrer naivität liegt, muss es weitaus erschreckendere gründe für solche statements geben, aber das will ich ja mal nicht annehmen.

wir erinnern uns: der gute herr petri fiel schon 1957 wegen seiner braunen gesinnung auf, dann war er jahrelang ein guter, strammer christdemokrat, bis er seine liebe zu den republikanern und letztendlich für die npd (wieder)entdeckte. die teutonen beschönigen das als frühere politische einstellung des herren, dabei war die kanditatur des herrn petri doch erst bei der letzten bundestagswahl. naja, zeit ist eben ein relativer begriff, ich weiß. aber so relativ ja nun auch wieder nicht. mag ja sein, dass er als vorsitzender gute arbeit geleistet hat, will ich nicht in abrede stellen, aber entscheidend ist ja wohl, wes geistes kind der mann ist. und: es handelt sich dabei nicht um eine einstellung, die auf dem boden unserer demokratie fußt.

die npd ist, man möge sich informieren, rassistisch, selbsterklärt verfassungsfeindlich, fordert die rückverschiebung der staatsgrenzen auf den stand von 1937; sie fordert die "umschreibung" der deutschen geschichte, will die parlamentarische demokratie beseitigen.....alles nachzulesen im verfassungsschutzbericht. das steht auch:


"Verlautbarungen der Partei belegen zudem eine ausgeprägte Affinität der NPD zur Ideologie des Nationalsozialismus. Die Agitation der Partei ist darüber hinaus rassistisch, antisemitisch, revisionistisch und verunglimpft die demokratische und rechtsstaatliche Ordnung des Grundgesetzes."

und das alles ist den herren teutonen völlig schnuppe? da fällt mir der kaffee aus dem gesicht. es ist also völlig in ordnung und über jede kritik erhaben, wenn jemand, der offen (als kandidat nämlich) sich zu einer solchen einstellung unserem staat gegenüber bekennt, als vorsitzender eines provinzsportvereines tätig ist?
sorry, das sehe ich anders.


die krönung folgt noch:

"Zum Schluss sei gesagt: Wir Teutonen lassen uns von niemandem vorschreiben, wen wir zu unserem 1. Vorsitzenden wählen und werden uns auf gar keinen Fall nach dieser Grünen-Attacke von ihm trennen, ungeachtet unserer unterschiedlichsten politischen Vorstellungen.
Wir Sportler verlangen auch nicht i h r e n Rücktritt, wenn die Politiker falsch liegen. Mischen Sie sich in Zukunft nicht in sportliche vereinsinterne Dinge ein!
Finger weg vom Spielverein Teutonia 08 und dessen 1. Vorsitzenden Klaus Petri!"

ohje, arme republik. es geht nicht darum, ob herr petri irgendwann mal falsch lag. es geht darum, das er für die npd kandidierte und wes geistes kind diese "partei" ist. der gute mann hat nicht mal eben einen kleinen fehler innerhalb unserer demokratischen ordnung begangen. nein, er steht auf einer mehr als fragwürdigen politischen seite. und dann ist eben dienst nicht dienst und schnaps nicht schnaps.

um den bogen zu unseren jungs zu schlagen. was nützen öffentliche absagen an den rassismus, wenns in der provinz so finster ausschaut?

Freitag, Juni 20, 2008

Mittwoch, Juni 18, 2008

die verstrickungen des herrn Petri

der lippstädter spielverein teutonia 08 e.v. feierte sein 100 jähriges jubiläum und alle kamen: der bürgermeister sommer von der cdu, ein herr vom fußball-verband und andere "honoratioren" lippstadts waren da. auch von meiner seite einen herzlichen glückwunsch. doch die sache hat einen sehr üblen beigeschmack.

vorsitzender von teutonia ist herr klaus petri. in lippstadt kein unbekannter, wenn auch in letzter zeit eher ein umstrittener zeitgenosse.im archiv der berliner zeitung vom 08.05.2000 lesen wir:

"Nach einer Mitteilung der Berliner Bundesgeschäftsstelle der rechtsextremen Partei seien erste Übertritte aus der CDU wegen der Spendenaffäre zu den Reps zu vermelden; so habe sich der langjährige CDU-Funktionär Klaus Petri aus Lippstadt/Westfalen den Republikanern angeschlossen. Schon seit langer Zeit hätten die Reps nicht mehr so viele Anfragen erhalten wie in den letzten Wochen; ein Ausfransen des rechten Flügels der Christdemokraten sei immer deutlicher zu beobachten, hieß es von Seiten der Republikaner."

nun, es pfeifen ja in lippstadt die tauben von den dächern, dass petri ehemals strammer cdu-ler war, der dann plötzlich (wirklich?) seine liebe zu den rechten entdeckte. vorher war der mann noch chef der mittelstandsvereinigung in lippstadt. also mit sicherheit kein stilles wässerchen im politischen strom.

im zuge des teutonia-jubiläums weisen die lippstädter grünen nun zu recht auf petris verstrickungen mit der npd hin:

"Aber es ist unverständlich, einen Bürger, der auf der Landesliste der NPD in Rheinland-Pfalz gestanden hat, öffentlich zu hofieren. Der Ortsverband der Grünen hält es eigentlich nicht mehr für nötig, die Öffentlichkeit daran zu erinnern, wer die NPD ist.

Eine Partei, die Hass gegen gesellschaftliche Minderheiten jeder Art schürt und ihnen mit Gewalt begegnet, die die Demokratie schnellst möglich zerstören will und jetzt schon sogenannte befreite Nationale Zonen errichtet sowie die Verbrechen des NS Regimes und die Existenz der Todesfabrik von Auschwitz vehement leugnet, und deren Sympathisanten sollten in Lippstadt keine Achtung erfahren. „Wusste Bürgermeister Chr. Sommer nicht, wie Herr Petri politisch denkt, als er sich mit ihm und den anderen Repräsentanten des Lippstädter Sports öffentlich ablichten ließ?“ fragt OV Sprecherin Anja Walecki. Hat der Vorsitzende eines Sportvereins nicht eine Vorbildfunktion, insbesondere für seine jugendlichen Mitglieder? Oder ist Herr Petri als Sponsor unverzichtbar, dass auf moralische Werte verzichtet werden könnte? Für die Lippstädter Grünen stellt die NPD nicht nur eine Gefahr für das Grundgesetz und die demokratische Ordnung dar, sondern auch ein Bürger „aus der Mitte unserer Gesellschaft“, der einer solchen oder ähnlichen Ideologie anhängt. Was nützt ein Tag der Begegnung der Kulturen, der doch helfen soll, das friedliche Miteinander von Menschen verschiedener Hautfarbe, Religionen und demokratischer Überzeugungen fördern soll, wenn an anderer Stelle ein NPD- Sympathisant in der Mitte der Gesellschaft geehrt wird? Was würde ein aufrechter Demokrat wie der langjährige Bürgermeister und Vorstandsmitglied von Teutonia, Jakob Koenen zu einer solchen Entwicklung sagen?
Wir fordern den 1. Vorsitzenden von SV 08 Herrn Dr. Madjlessi auf, darüber nachzudenken, ob noch eine Zusammenarbeit mit Herrn Petri möglich ist."

upps, der mann war also nicht nur bei den rep´s, nein er war sogar bei der npd? ist er es wohl möglich noch immer? das kann man ja recherchieren. und es ist wahr, wie die offiziellen listen beweisen:

herr petri kandidierte bei der bundestagswahl 2005 auf listenplatz 2 der npd in rheinland-pfalz.
tja, da haben die grünen eindeutig recht!

aber die sache wird ja noch pikanter:

herr petri und seine gesinnung sind schon viel früher aufgefallen. so ist die genaue politische haltung des herrn einem spiegel-artikel von 1957 zu entnehmen. unter dem titel "das wort der alten herren" findet sich eine schier unglaubliche story über böswillige geschichtsverdrehung, leugnung und tiefer rechter gesinnung:

Ich bin durchaus der Meinung", proklamierte Germane Petri im Bonner Studentenblatt, "daß die nationalsozialistischen Konzentrationslager ... als politische Maßnahme am Platze waren ... Ich akzeptiere die nationalsozialistischen Maßnahmen, weil sie dem heißen Wunsch der damaligen Führung entsprangen, des deutschen Volkes Einigkeit und Recht und Freiheit zurückzugewinnen. Diesem großen Ziel mußte die persönliche individuelle Freiheit einiger weniger untergeordnet werden, denen man dadurch die Möglichkeit nahm, in Versammlungen oder Journaille für ihre ... dem Nationalsozialismus feindlichen Ziele zu werben."

wer es aushält, kann den artikel gerne komplett lesen und möge sich sein urteil bilden.

Montag, Juni 09, 2008

police-konzert in düsseldorf



ja, es war einfach phänomenal. reichlich sentimental irgendwie, aber dennoch einfach bombastisch.
ok, die jungs sehen bis auf sting schon recht ältlich aus. sting sieht definitiv besser aus, als zu alten police-zeiten. lecker anzugucken. das foto haut nicht so ganz hin, wenn man ehrlich ist. aber egal.
und: sie haben alles gespielt. gott sei dank haben die drei auf irgendwelche neubearbeitungen verzichtet und die songs lieber "klassisch" inszeniert. genau das wollte ich ja auch hören. keine wilde bühnenshow, alles recht minimalistisch. ok, sie sind eben alte hasen und wissen, dass die leute so oder so kommen. und alle wollen die hits hören, sting sehen und sonst nix. meine freundin könnte ja schwören, dass er kein höschen drunter hatte, kann gut sein.
was mich gewundert hat: es waren recht viele junge hüpfer da. die können police allerhöchstens durch die cd-sammlung ihrer eltern kennen. aber auch ganze familien waren am start.
und die mucke ist immer noch so irre, wie vor ...ähm....naja, wie damals halt eben.