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Donnerstag, Oktober 13, 2011

Ein echter Deutscher.....

Wie ich heute morgen MGH entnahm, ist ein bekannter Lippstädter Rechtsanwalt, Kommunalpolitiker, Sportunterstützer und auch bekennender Rechter verstorben. Ein Nazi eben.
Nun, auf den Lipstädter Seiten findet sich pflichtschuldigst ein Nachruf auf diesen, für Lippstadt höchst wichtigen, Menschen.

Irritierend und höchst verstörend wirkten auf mich jedoch die Todesanzeigen, in denen des Herrn gedacht wurde. Da ist doch wirklich die Rede davon, dass dieser Mensch ein "echter Deutscher" gewesen sei.
Dies war der Moment, in dem mir die Gesichtszüge entglitten.

Ein "echter Deutscher"? Geht´s noch? Wie kann man sowas überhaupt nur abdrucken? Spontan denke ich an das Lied der Toten Hosen über den echten Deutschen Sascha.

"Ja der Sascha, der ist Deutscher,
und Deutsch sein, das ist schwer.
Wer so deutsch wie der Sascha ist,
der ist sonst gar nichts mehr. Vor gut 50 Jahren
hat's schon einer probiert.
Die Sache ging daneben,
Sascha hat's nicht kapiert."

Nun, in diesem Sinne war Herr Petri sicher ein echter Deutscher, ein echter rechter Deutscher, wie man spätestens seit 2008 auch in Lippstadt wissen müsste.
Wie auch im Nachruf zu lesen steht, hat der Mann sich nach Jahren in einer konservativen Partei den rechtsradikalen Kräften angeschlossen - ganz offen und allseits nachzulesen.

Das dürfte auch der Verleger von MGH wissen, auch wenn er die Gnade der späten Geburt genießen darf. Und er dürfte auch wissen, dass solche Sätze in Todesanzeigen bekennender Rechtsradikaler nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden dürften.

Wenn Herr Petri ein echter Deutscher war, dann möchte ich persönlich bitte demnächst ausgenommen werden, wenn von den Deutschen die Rede ist. Nein, ich möchte dann bitte kein echter Deutscher sein, lieber ein Fake oder irgendwas mit Migrationshintergrund, aber bitte kein echter Deutscher.

Noch viel irritierender als die Todesanzeige der Familie fand ich ja die darunter zu lesende Lobhudelei von Teutonia. Unglaublich, wie locker und lässig man da mit der Geschichte umgeht. Ein paar anerkennende Worte....das kostet ja nix, vor allem kein Gewissen. Sauber, meine Herren, Persilscheine gibts also immer noch.

Und nur am Rande: Wie verlogen ist es eigentlich, einerseits ein Mahnmal für die ermordeten Juden mitten in der Stadt stehen zu haben und andererseits bekennende Nazis derart zu würdigen? Ich persönlich wäre für eine sofortige Entfernung des Mahnmals - offenbar ist es mit dem Gedenken nicht weit und nicht besonders ehrlich gemeint in Lippstadt.

Samstag, April 16, 2011

Harald Becker - Ausstellung in der Lippstädter Rathausgalerie

Leider nur sehr übersichtlich besucht war die Eröffnung der Ausstellung mit Arbeiten von Harald Becker am vergangenen Freitag. Ok, er ist kein "Lippstädter Meister" und man kann auch keine euphemistischen Lippeansichten oder den Turm der Marienkirche betrachten. Wunderbar - das spricht schon deutlich für den Künstler, der seit vielen Jahren im Kreis Soest lebt und arbeitet.

Was vielen "Kunstinteressierten" der Lippestadt wohl entgangen ist: Harald Becker ist einen durchaus sehr eigenen Weg in seiner Kunst gegangen und das auch noch recht beachtlich.

Ich gebe zu, mich persönlich hat es gereizt seine Arbeit "Wiese mit Dingen" einmal komplett gehängt sehen zu können. Mit schlanken 13,50 m sprengt das Werk deutlich die Möglichkeiten der meisten Galerien.



Ein sehr sehenswertes Werk, auf den ersten Blick leicht und poppig, auf den zweiten Blick schon fast überbordend und in seiner Fülle fast bedrückend. Kein Raum, kein Platz für den Menschen innerhalb der Bildfläche, dafür mäandernde Kabel, Rohre, sich selbst und alles umgarnend. Eine eigene, fast maschinenartige Dynamik wohnt den merkwürdigen, bekannten und doch unbekannten Dingen inne, die Harald Becker in seinem Bild entstehen lässt. In der Bildmitte ein merkwürdiges Ding - der Auslöser einer Maschine? Was mag wohl geschehen, wenn jemand oder etwas diesen Schalter betätigt?

Neben den Arbeiten zum Thema "Mensch, Dinge, Landschaft" sind auch Beckers "Bildnisse aus dem Familienalbum" zu sehen. Mit ihrer präzisen Malweise und ihrer kühlen Ausstrahlung erinnern die Arbeiten an die Werke der "Neuen Sachlichkeit", doch zeigen sich auf den zweiten Blick verstörende Brüche.



Die Arbeiten erinnern an Herrschaftsbildnisse früherer Malereiepochen. Beigegeben sind den vielleicht wichtigen Personen oftmals Hunde. Herrscher früherer Jahrhunderte ließen sich gerne mit ihren Hunden abbilden, sollte doch die eigene edle Herkunft gespiegelt und verstärkt werden. Doch Beckers Bildnisse ziegen keine uneingeschränkten Herrscher, sondern merkwürdig angeschlagene Figuren. Die Räume, in denen sie sich befinden, wollen so gar nicht zum Herrschen passen: Triste Wände, kahle Fenster, Schnöde Mietshäuser im Hintergrund. Statt einer üppig gedeckten Tafel sehen wir billiges Geschirr, eine Kanne ohne Deckel. Die Gesichter wirken fahl, die Mimik ist erstarrt. Die Proportionen immer ein klein wenig verschoben, schräg.

"Atelierstillleben" bilden den dritten Bereich dieser Schau. Die Malerei selbst als Thema der Malerei, aber nicht erhöht, sondern reduziert auf den Aspekt der rein technischen Farbmischung. Im Hintergrund der Bilder dann Skizzen, die fast an Kinderzeichnungen erinnern. Auch hier wieder die Brüche, die Beckers Arbeiten ausmachen. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.


Zu sehen sind die Werke bis zum 5.06.2011 in der Galerie im Rathaus, Lippstadt.

Samstag, Februar 19, 2011

Projektchen wechsel dich

Kaufland hin, Kaufland weg. Mediamarkt bliebt, Mediamarkt weg......Was den Lippstädter Planungsdschungel angeht, fühlt sich der geneigte Bürger doch wohl wie im Affenhaus. Wie ich MGH heute entnehmen konnte, mietet sich Mediamarkt nun am Südertor-Ost und nicht am Güterbahnhof ein. Da kommt dann statt Rewe ein Lidl rein....oder war es was anderes? Sollte da nicht mal irgendwie Edeka rein? Und außerdem wird der Bau jetzt doch anders, jedenfalls meint das der Architekt. Innerhalb des Lippstädter Projektdesasters habe ich den Überblick verloren.

Klar scheint zu sein (obwohl man das in Lippstadt erst sagen darf, wenn man höchst selbst in dem besagten Laden steht), dass Mediamarkt nun nicht in den Betonkasten am Güterbahnhof ziehen will, der ja eh frühestens schießmichtot gebaut werden kann.

Dabei tönte es aus Kommunalpolitikerkreisen doch noch vor einigen Monaten, eben dieser "Ankermieter" wolle auf jeden Fall dahin.
Welcher Investor soll bei der ominösen Auschreibung (deren rechtliche Hintergründe wegen Verdunkelungsgefahr nebulös gehalten werden) denn noch diesen Komplex des Grauens bauen wollen? Wem wollen unsere provinziellen Feudalherren denn noch weiß machen, dass alles in schönster Planungsordnung sei?

Ich möchte nicht wissen, welche Aktenvernichter heißlaufen würden, käme es in Lippstadt zu einer sanften Revolte der Bürger.

Donnerstag, Februar 17, 2011

Stellt euch vor, es wird Sommer.....

Ein Sommer ohne Freibad ist wie Schule ohne Pause. Wie ich vor einiger Zeit MGH entnehmen konnte, planen König Sommer und seine Helfershelfer (jedweder Partei außer der sog. Linken) in erschreckend unerschrockener Manier einen trockenen Sommer in Lippstadt. Was seit dem in den Köpfen der betroffenen Bürger umgeht, kann man gut in MGH nachlesen. Kein Freibadbesuch im Sommer? Wildbaden in der Lippe? Ein überfüllter Alberssee?
Naja, Sommer und Konsorten kratzt das nicht, denn 1. haben sie genug Geld um in den Ferien Richtung Strand zu jetten und 2. kann man ja mal eben sonstwohin fahren, wenns denn ein nettes Spaßbad sein soll. Für Normalverdiener mit mehreren Kindern wird dann der heimische Pool (falls Garten vorhanden) der Sommertrend 2011. Und für die Jugendlichen interessiert sich in Lippstadt eh keiner.

Ok, das Hallenbad ist ein Graus - da stimme ich zu. Das Freibad ist eigentlich sehr schön - das sehe ich auch so. Und vor allem ist es für kinderreiche Familien bezahlbar. Die Eintrittspreise für das geplante Kombibad werden, wie uns ja schon mitgeteilt wurde, deutlich höher liegen. Hmmm...Und da sind wir beim eigentlichen Thema: dem lieben Geld.

Wenn ich das recht verstehe, hat die Stadt Lippstadt das Geld nicht, dass ihre Politiker auszugeben gedenken, weshalb auch von Steuererhöhung für die Bürger die Rede ist, wobei die Bürger sich den teureren Eintritt in das neue Bad, das auch nicht mehr für den Sportunterricht geeignet sein soll, dann nicht mehr leisten können.
Da kann ich nicht so ganz folgen.

Bei Durchsicht aller Artikel beschleicht mich ein seltsames Gefühl.
Der geneigte Leser erinnert sich: Güterbahnhof - ein pulsierender Geschäftskomplex zur Belebung der Stadt, Grüner Winkel - ein Erholungsort voller Aktivitäten, Fachhochschule - eine Magnet für Unmengen junger Menschen, diverse Neubauten in der Innenstadt - Schaffung hochwertiger Bausubstanz und Belebung der toten Innenstadt, Südertor-Ost - was soll da nochmal hin? Gibt es eigentlich die Gesamtschule noch? Ist die Wirtschaftsförderung schon ausgewandert?

Gefühlt sieht die Bilanz der Sommerschen Hoheit nicht sonderlich rosig aus. Außer Spesen nichts gewesen.
Da könnte man fast auf den Gedanken kommen, Herr Sommer und seine Mischpoke wollen nun mal richtig durchgreifen. Sozusagen eine direktive Intervention um den Klienten Bürger einzunorden. "Mit uns nicht, du bockiger Bürger" scheint die Devise zu sein. Also flugs einen Flunsch gezogen (Schüppchen nannte meine Oma das) und nach guter alter Politikermanier erstmal aussitzen. Wenn Herr Sommer schon keines von seinen anderen tollen Vorhaben bekommen kann, dann wenigstens das neue Kombibad, das ja sonst keiner will.

In MGH zeigte sich der Lippstädter Monarch genervt vom Bürgerwillen. Wo kommen wir da auch hin, wenn der Bürger einen Willen hat? Und was fällt den Bürgern eigentlich ein?
Weg mit dem Bürger, der stört nur beim Regieren und Geldausgeben. Wann sind noch mal die nächsten Wahlen?

Samstag, Oktober 30, 2010

Der veräppelte Bürger

Es gibt Samstage an denen ich MGH mit sehr gemischten Gefühlen zur Kenntnis nehme. So auch heute wieder, als ich beim Morgenkaffee diesen Artikel las.

Nun ist also schon von frühestens 2012 als Baubeginn für das unsägliche Güterbahnhofprojekt die Rede. Es wird immer kurioser, unverständlicher und verwirrender.

Der Bürgermeister drückt sich um klare Antworten:

"Auf die Frage dieser Zeitung, ob die Verwaltung denn im Lichte neuer Gerichtsurteile von ihrer Auffassung abgerückt sei, dass für das Großprojekt am Güterbahnhof eine europaweite Ausschreibung erforderlich sei, gab Sommer nur eine ausweichende Antwort."

Der mögliche Investor wedelt mit der Gebetsmühle, bekundet sein Interesse, gibt aber zu, dass der großartige Ankermieter Mediamarkt dann vielleicht gar nicht mehr will:

"Diese Vorgehensweise der Stadt Lippstadt wirft den bisher einzigen Partner für das Projekt am Güterbahnhof nicht aus der Bahn. „Wir hatten das erwartet“, erklärte Christian Diesen, Geschäftsführer des Investors HLG aus Münster. An dem Willen, das Millionen-Projekt in Lippstadt zu realisieren, habe sich dadurch aber nichts geändert. „Unser Interesse ist nach wie vor vorhanden. Und darum werden wir uns an dem Ausschreibungsverfahren beteiligen.

Auf die Frage, ob Mediamarkt dann immer noch als Ankermieter für das Einkaufszentrum bereitstehe, konnte Diesen jedoch keine Antwort geben. Das könne er nicht beurteilen, denn da rede man ja jetzt über eine Zeitachse von zwei bis drei Jahren."

Sorry, aber irgendwie fühlt man sich als Bürger doch langsam veräppelt. Was soll das Gehampel? Kann nicht mal einer der Verantwortlichen in klaren Worten den wirklichen Stand des Prtojektes benennen? Was soll diese unnötige Ausschreibung? Warum das Versteckspiel?

Ich glaube, dass dieses Projekt schon lange, lange den Bach runtergegangen ist. Immerhin redet dieser schweigsame Bürgermeister ja angeblich schon seit zig jahren mit den Grundstückseigentümern, ach, nee, das war doch angelich alles schon geklärt, oder? Und nu doch wieder? Warum?

Das ganze Affentheater wirkt lächerlich. Ud seien wir mal ehrlich: Wer daran glaubt, dass nach der Bebauung des Südertors noch weiterer Bedarf an Lebensmittelmärkten in der Innenstadt besteht, das glaubt auch an Area 51.

Donnerstag, Oktober 14, 2010

Lippstädter Sehenswürdigkeiten

Hocherfreut und sehr gespannt lese ich heute morgen in MGH, dass Lippstadt eine neue Sehenswürdigkeit habe. Ja, hoppla, wurde von mir unbemerkt ein neue Lichtinstallation eingeweiht? Hat man endlich ein marodes Denkmal im Innenstadtbereich renoviert? Haben die Kommunalpolitiker auf effektheischende Straßenumbauten verzichtet und stattdessen die "historische Altstadt" aufgepäppelt?

Von wegen: Ein Modehaus wurde umgebaut. Na toll! Entschuldigung, aber was soll das?

Dieser Modeschuppen wurde mit Sicherheit nicht umgebaut, damit Tante Luzie oder Onkel Franz-Josef aus Schießmichtot am Samstag eine Sightseeingtour dahin machen. Wird Lott nun Bestandteil des Altstadtrundganges? Sollen die kulturell interessierten Besucher die Ästhetik der LED-Installation bewundern? Ist das alles dokumentaverdächtig? Sollen Horden von europahungrigen Japanern die neue Videoleinwand anstarren? "Hier sehen Sie das größte Modehaus in der Region!" - Was für ein Burner. Wie unglaublich. In Berlin, Frankfurt, Oberhausen oder München würde es kaum jemand bemerken.

Moment mal: Diese Stöffchenfühler wollen Klamotten verkaufen - sonst nix. Die möchten nämlich, dass eben jene Luzie in ihrem Laden reichlich Kohle lässt und für Enkelchen Lorena auch noch was mitnimmt. Es ist keinesfalls so, dass der geneigte Bürger dieses Hauses zum Gucken aufsuchen soll, nee, er soll kaufen, kaufen, kaufen. Mehr als ihm lieb ist - Herrn Ziems dafür umso mehr.

Sorry, aber langsam mache ich mir ernsthafte Gedanken um die psychische Befindlichkeit einiger Mitmenschen (dazu gehören auch manche Redakteure).

Samstag, September 04, 2010

schonende Vorbereitung auf das Debakel

Fand sich der Hinweis auf den drohenden Untergang des Güterbahnhofprojektes noch vor einigen Tagen am Ende des Artikels, werden nun langsam größere Geschütze aufgefahren.
In MGH heißt es heute auch Seite 3 ganz offen am Artikelanfang:

"Die Chancen für eine Realisierung des geplanten Einkaufszentrum(sic) auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs werden zunehmend geringer."

Ok, die Katze ist nun fast aus dem Sack. Zwar redet der Bürgermeister noch vom Gegenteil, aber das glaubt ja eh keiner mehr. Klar ist für Herrn Sommer, dass eine Erschließung stattfindet. Naja, damit hat er ja nicht gesagt, was konkret denn nun auf dem Gelände passieren soll. Und mir kann keiner erzählen, dass noch irgendein Lebensmittelladen an den Güterbahnhof geht, wenn vorne am Südertor schon einer steht. Wer soll denn die ganzen Lebensmittel kaufen? Leiden wir momentan Hunger? Müssen sich die Lippstädter um Brot und Milch prügeln?

Ich vermute mal eher, dass in den nächsten Wochen immer häufiger fein lancierte Artikel das Ende des Betonkastens Häppchen für Häppchen unter die Bürger bringen sollen. Und am Ende wird es heißen, dass die besonnenen Lippstädter Politiker sich nun gegen den bösen Investor entschieden haben und nun lieber ein neues Stadthaus bauen wollen.
Wäre ja auch soooo praktisch für die Angestellten der Stadt. Immerhin können sie dann ihre Mittagspause nett im Cafe verbringen.

Freitag, September 03, 2010

Gesamtschule nun doch im Ganztagsbetrieb?

Rein beruflich habe ich verständlicherweise durchaus sehr oft mit Schülern und auch deren Eltern zu tun, da kommt einem so einiges zu Ohren.
Nun hörte ich diese Woche von einem Vater, dessen Sohn die neue städtische Gesamtschule besucht, folgendes:

Es soll doch einen Ganztagsbetrieb geben. Man arbeite daran.

Da staune ich ja.
Sollte das nicht erst alles ganz anders sein? Nun doch? Ja was denn nun? Liegt das an den veränderten politischen Verhältnissen in NRW?
Andererseits kennt man ja das Lippstädter "man-srbeite-dran" zur Genüge. Kann durchaus auch heißen: Wird eh nix draus.

Donnerstag, September 02, 2010

Güterbahnhof - Stadthaus statt Mediamarkt?

Ich gebe zu, dieser Sommer war klimatisch eher regnerisch (er war nun wirklich nicht heiß - nur der Frühsommer), doch zaubert mir ein anderer, ein politischer Sommer ein Lächeln ins Gesicht. Ok, es ist nicht nur ein Lächeln - genauer gesagt eine Mischung aus völliger Fassungslosigkeit, diebischer Freude und hohem Spaßfaktor.

Wir erinnern uns: Die Irrungen und Wirrungen um den ehemaligen Güterbahnhof nahmen im Laufe des Jahres schon kafkaeske Züge an. Kaufland kommt, Kaufland übernimmt den alten Hit, Kaufland baut noch einen zweiten Markt, nee, nun doch nicht, aber Mediamarkt kommt sicher. Die Grundstücke sind gekauft, aber irgendwie auch nicht, jedenfalls nicht alle - und Baubeginn war eigentlich schon längst.
Dann wäre da auch noch das Kombibad, der Zustand des Bahnhofs, das Projekt am Südertor....
Der geneigte Bürger mutiert angesichts dieser Sachlage zum zappelnden Käfer.


Nun lese ich heute in meiner geschätzen Heimatzeitung mal wieder von einem weiteren Lieblingskind der Lippstädter Kommunalpolitiker: die bedrückende Enge des Stadthauses. Neubau oder Erweiterung?

„Der Zustand in dem Gebäude ist nicht mehr erträglich“, sprach der Lippstädter Verwaltungschef in dieser Woche im Rahmen eines „Sommergesprächs“ Klartext. Unmissverständlich formulierte der Bürgermeister im Café Nölke vor der Presse seine Forderung nach einer Verbesserung der Situation für die Bediensteten der Stadt - und für die Lippstädter Bürger."

Hmm, für wen ist der Zustand denn in erster Linie so angeblich unerträglich? Wohl weniger für den Bürger, der sich dort ja lediglich zeitweise aufhält. Die Bezeichnung Stadthaus ist ja irreführend. Stadtverwaltersitz wäre treffender, aber das nur am Rande.
Viel faszinierender finde ich die Tatsache, dass man ausgerechnet jetzt damit mal wieder um die Kommunikationsecke kommt. Frei nach dem bekannten Politikermotto: Droht dir Unbill durch stagnierende Projekte, nicht eingehaltene Versprechungen oder gar dem kritischen Bürger, schaffe schnell ein neues Schlachtfeld.
Ist so wie mit dem quengelnden Kind an der Kasse, dem die Mama mal fix nen Ü-Ei kauft, damit es still ist.

Bürger, komm bloß nicht auf die Idee die Stadtverwalter zu nerven. Hier, nimm das Schokoei "Stadthausneubau", ist nur für dich und halt die Backen damit Papa Sommer in Ruhe dösen kann.

Schlicht fassungslos werde ich am Ende des wenig kurzweiligen Artikels:

"Bei den „anderen Optionen“ kommt das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Gespräch, wenn sich für das Einkaufszentrum nicht die erforderlichen Mieter finden. Auch am Südertor gibt es bekanntlich noch größere Flächenreserven. Beim Bürgerbüro will der Verwaltungschef jetzt Vollgas geben, beim Stadthaus-Anbau oder Neubau dauere es wohl noch „ein paar Jahre“, räumte Sommer ein."

Was macht diese Nachricht am Ende dieses Artikels? Warum steht das nicht am Anfang? Warum lese ich davon nichts in der Headline? Wäre ich ein böswilliger Mensch, könnte ich auf die Idee kommen, dass es Absicht ist.

Im Klartext: Nix ist es mit den angeblich so sicheren Mietern für das Megabetonprojekt. Nix ist es mit den angeblich so wasserdichten Verträgen, die uns in höchst dubiosen Aktenordnern bidlich immer wieder vor die Nase gehalten wurden.
Nebelbomben (passend zum heutigen Wetter) werden geworfen: angeblich dringend erforderliche Ausschreibungen, angeblich zähe Verhandlungen etc.
Und nun schwenken unsere Stadtverzörgerer völlig schmerzfrei um.....Still und leise wird es dem Bürger, falls er nicht die Lektüre des vorliegenden Artikels längst wegen Langeweile abgebrochen hat, schon mal vor die Nase gehalten.
Bedenklich ist dabei auch, dass sich lokale Medien offenbar derart vor den Karren spannen lassen, aber das ist eine andere Geschichte.

Der interessierte Bürger blickt wie Kafkas Landvermesser in die scheinbare Leere.

Freitag, Februar 12, 2010

Mogelpackung Lippstädter Gesamtschule?

Lippstadt bietet reichlich bemerkenswerte Themen: der Suizid auf Raten der kommunalen CDU, das stets in Planung schwebende Allwetterbad, die berühmte Unterführung, das fast schon gestorbene Projekt Betonklotz und auch das sehr reizvolle Thema Gesamtschule.

Wir erinnern uns: Eigentlich wollte die Stadt ja keine Gesamtschule, weil ja in Lippstadt das mit den Schulen alles so super ist. Aber die INI und viele Eltern wollten eine. Dann wurde die Elternbefragung durchgeführt. Das Ergebnis entsprach leider nicht dem Plan (eigentlich sollten die Eltern ja für die tolle Lippstädter Schulllandschaft und gegen die böse Gesamtschule stimmen) und schon hatten unsere Stadtväter und -mütter den Salat. Damals war Hannilein ja auch noch irgendwie am Start, aber die schimpft heute nur noch über ihre eigene Partei (aber "das ist ein weites Feld"...na, wer hats gesagt?)

Hmm, also nun wohl doch eine städtische Gesamtschule, jedenfalls irgendwie nicht mit der INI, sondern anders. Auch nicht als Ganztagsschule, was ich nie verstanden habe, da ja gerade hier das Bonbönchen der Gesamtschule liegt. Es wurden wie immer Ausschüsse und Beiräte und was weiß ich gebildet, die dann erstmal munter vor sich her berieten, so hoffe ich.
Schulort und Schulstruktur waren schnell gefunden - das war auch alles. Fragt man z.B. bei der angeblichen Fachfrau für die Gesamtschule mal etwas konkreter nach, z.b. was die Förderung von Kindern mit Teilleistungsstörungen angeht, so dringt nur Schweigen durchs Telefon.Dennoch meldeten viele Eltern ihr Kind an - richtig so, denn angesichts der aktuellen Situation unseres Schulsystems kann man dazu nur dringend raten.
Das ganze Hinundher zum Thema Genehmigung durch die Bezirksregierung spare ich mir nun - kann man in MGH nachlesen. Viel spannender ist der Leserbrief, der heute den Weg ins Blatt fand.

"Ich wünsche mir:
- eine Gesamtschule für alle Kinder, damit jedes Kind die Möglichkeit bekommt sich nach seinen Fähigkeiten zu entwickeln,
- engagierte und geschulte Lehrer, die ihren Beruf noch als Berufung sehen und nicht als gut bezahlten Halbtagsjob,
- notwendige Therapien wie Psychomotorik, Lese-Rechtschreib-Schwäche- oder Dyskalkulie-Therapie, eingebunden in das Konzept der Schule,
- sportliche Angebote der Schule für alle Schüler,
- eine Kantine mt einem ausgewogenen Mittagsangebot sowie
- Ganztags-Unterricht mit qualifiziertem Personal anstatt Nachmittags-Betreuung durch Kindergarten-Erzieherinnen."

Liebe Frau Henschel-Knorr, Sie haben völlig recht. Wenn ich ganz ehrlich bin, wünsche ich mir all das für alle Kinder in allen Schulformen - das Wörtchen "Gesamt" kann man da ersatzlos streichen. Aktuell erlebe ich eine sehr erschreckende Entwicklung in den Schulen: Kinder, die nicht 08/15 sind (was auch immer das sein mag und welchen angeblichen Vorteil es auch bieten könnte), werden schnellstmöglich von manchen Lehrern "wegsortiert", "durchgereicht", im Klartext an Förderschulen verwiesen. Da werden Kinder aufgrund völlig irregulärer Tests, die natürlich von Lehrern durchgeführt werden, als lernbehindert eingestuft. Manche Lehrer diagnostizieren heute auch locker ADHS oder emotionale und soziale Störungen bei Kindern. Beachtlich, was manche Pädagogen alles so können. Psychiater brauchen dazu schon mal ein paar Diagnostiktermine. Die Folge ist steigender Druck in den Familien, der natürlich bei den Kindern landet. Die sind die Schwächsten im System. Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Ängste, Enuresis, aber auch beginnende Depressionen oder Aggressionen sind die natürlichen Folgen.
Wer als 10-jähriges Kind nicht echt hart gesotten ist, kann im heutigen "G8"-Horror kaum überleben - Eltern übrigens auch nicht.

Und was die von Ihnen gewünschten Therapien in der Schule angeht: Gerne! Das Problem ist nur, dass viele Lehrer den Therapeuten als natürlichen Feind betrachten. Das beginnt schon damit, dass Lehrer manchmal der Meinung sind, das es keine LRS/Dyskalkuklie gebe. Manche denken auch, dass das betreffende Kind mit Sicherheit nicht betroffen sei, warum auch immer. Angebote an Lehrer, in den Therapien zu hospitieren oder sich wenigstens das Material anzusehen, werden seltenst wahrgenommen.

Zur Ehrenrettung der Lehrerschaft ist zu sagen: Diejenigen, die diese Angebote wahrnehmen, sind alle hochengagiert und bereit, das betroffene Kind neu wahrzunehmen. Und aus diesen wenigen Fällen entwickeln sich auch produktive Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Vielleicht, liebe Frau Henschel-Knorr, fällt Ihnen ja ein Weg ein, wie man das Problem lösen könnte - zum Wohle der Kinder. Warum nicht Schulen für andere pädagogische oder therapeutische Berufe öffnen? Warum nicht die Ganztagsschule, die wirklich fördert und fordert?
Da fällt mir ein: In Rüthen ist doch grade so ein Theater um eine Montessori-Schule. Dazu wollte ich ja auch noch bloggen.

Samstag, Januar 30, 2010

Augen zu und durch

Seit 7.00 Uhr höre ich schon die regen Nachbarn Schnee schippen. Da es ja immer weiter schneit, nehme ich persönlich Abstand von diesem sinnlosen Unterfangen und widme mich lieber den Wirrungen der Stadt Lippstadt.
Ja, ich habe mich gestern königinnenlich gefreut, als ich las, dass es nun doch keinen Kaufland-Markt am Güterbahnhof geben wird. Merkwürdig, dass es eigentlich alle schon längst wussten - nur die Kommunalpolitiker anscheinend nicht. Oder sie wollten es für sich behalten. Warum auch immer. Hmm, fällt den Leuten eigtentlich nicht auf, wie unglaublich lächerlich sie sich damit machen?
Meine geschätzte Heimatzeitung meint lediglich, es sei in bestimmten Kreisen vermutet worden. Huch, so kann man das auch bezeichnen.Offenbar gehört der Lippstädter Bürgermeister nicht zu diesen Kreisen der Stadt. Jedenfalls ließ er ja noch vor Monaten verlauteten, dass alles ganz klar sei und Kaufland den Markt beziehen werde.

"Bürgermeister und Investor versicherten am Freitag außerdem, dass die Firma Kaufland beim
Einkaufszentrum Südliche Altstadt weiter mit im Boot sein werde, auch wenn das Unternehmen
inzwischen an der Planckstraße eine weitere Filiale einrichten wolle. Christian Diesen räumte ein,
dass man von dem Kaufland-Coup überrascht gewesen sei, doch auch Bürgermeister Sommer
versicherte, dass die Verantwortlichen von Kaufland sofort nach Bekanntwerden der Pläne an der
Planckstraße mitgeteilt hätten, dass man an dem Projekt in der City ebenfalls festhalten wolle."
(Dank an die Kollegen von Lebendiges Lippstadt für die vorbildliche Archivarbeit.)

Vor einem Jahr zeigten sich Stadt und Wirtschaftsförderung noch siegessicher.

"Außerdem: Das Unternehmen habe schließlich mit dem Investor HLG aus Münster einen Mietvertrag abgeschlossen. „Der wird auch eingehalten“, so Coprian.
Der Wirtschaftsförderer räumte ein, dass die Realisierung des Projekts am Güterbahnhof schwierig sei. Insbesondere meinte er damit die Freistellung des Bahngeländes. Er gehe aber davon aus, dass 2010 begonnen werden könne. Die Bauzeit taxierte Coprian auf 15 bis 18 Monate."

Ok, nun halt doch nicht. War wohl nix mit den wasserdichten Verträgen und so. Ähm, hat mal einer bei Mediamarkt nachgefragt, ob die denn nun noch wollen? Ich meine, wäre ja mal ein Ansatz, sonst muss ich nachher noch lesen, dass auch Mediamarkt das wirtschaftlich lukrativere Weite gesucht hat. Andere Städte haben auch schöne Grundstücke. Angesichts des fortgeschrittenen Niedergangs der Stadt (Lehrstände, Billigläden etc.) wäre das kein Wunder. Was macht eigentlich der Wirtschaftsförderer aktuell?

Erstaunt lese ich, dass die HLG nun "neue Möglichkeiten" sehe. Achja? Alte Möglichkeiten gibt es ja auch nicht mehr. 5000 qm sollte der Kaufland belegen. Das ist ja nun mal ein Tante-Emma-Laden (Solche Läden sind ja zugunsten des Megaprojektes erfolgreich aus der Innenstadt verbannt worden)
Wie ich mich gut erinnere, äußerte Herr Sommer im letzten Jahr, es gebe keinen Plan B. War wohl doch ein Fehler, sich so naiv auf das Gefasel des Investors zu verlassen. Ein Plan B tut not - ein paar weitere Ideen C oder D (bloß nicht bis U) wären auch nicht schlecht. Denn das Dilemma ist da: Die Stadt musste das Gelände kaufen - war ja vorher klar, dass es so läuft. Gabs ja im Sonderangebot, wie wir wissen.
Mit dem Problem, dass man nicht alles kaufen sollte, was auf dem Grabbeltisch liegt.

Sehr faszinierend finde ich auch die neuesten Bekenntnisse zur angestrebten Größe des neuen Marktes. Offenbar geht keiner mehr von den 5000 qm aus. Dann passen ja wohl auch die schönen Pläne des Architekten mit Betonfetischismus nicht mehr. Was nun?

Kein Problem für die Macher. Flugs wenden wir das Mäntelchen.
War zur heißen Zeit der Diskussion noch die Rede davon, dass man keinesfalls kleinteilig bauen können (wir erinnern uns), sieht es nun offenbar ganz anders aus. Völlig sprachlos lese ich:

"Der Investor geht allerdings davon aus, dass sich die Verkaufsfläche durch einen anderen Anbieter verkleinern könnte. Wichtig sei aber weiterhin, „dass neben dem gesetzten Elektromarkt auch ein echter weiterer Ankermieter vorhanden ist.“
Aus Sicht der Stadt Lippstadt könnten eine kleinere Verkaufsfläche und damit eine Verringerung der Pkw-Stellplätze einige Problembereiche deutlich entschärfen. So wirke sich das geringere Bauvolumen positiv auf die städtebauliche Entwicklung aus. Möglicherweise könne sogar auf die Parkebene auf dem Dach des geplanten Einkaufszentrums verzichtet werden. Das wäre nach Meinung der Stadt im Hinblick auf die Lärmproblematik sogar von Vorteil."

Da kann man nur staunen, wie geschickt und mit welcher Leichtigkeit, die Dinge umgedreht und schön geredet werden. Wahnsinn, die Stadt wollte eigentlich immer kleiner bauen....Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Damals war doch von gewollten "Maßstabsbrüchen" die Rede, die unbedingt nötig seien, um das Projekt zu realisieren. Ein Riesenbau müsse her um die nötige Qudratmeterzahl zu bringen.....usw. Früher gabs ein Wort für solche Leute: Wendehälse.

Freitag, Januar 29, 2010

Ach nee, also doch kein Kaufland am Güterbahnhof?

Gerade flatterte diese PR-Nachricht in mein Postfach:

"Pressemitteilung von Freitag, 29. Januar 2010
Stadt Lippstadt

Kaufland und HLG beenden Zusammenarbeit beim Projekt Güterbahnhof

Lippstadt. Die Firma Kaufland wird kein SB-Warenhaus auf dem Güterbahnhofsgelände in Lippstadt errichten. Dies teilte heute der Investor für das Projekt Güterbahnhof, die HLG aus Münster, gegenüber der Stadt mit.
Die Geschäftsführung von Kaufland habe der HLG schriftlich mitgeteilt, dass sie von den Plänen, einen Einkaufsmarkt mit ca. 5.000 qm Verkaufsfläche am Güterbahnhof zu errichten, Abstand nehme.

Entgegen anderer Äußerungen aus der Vergangenheit will sich Kaufland jetzt doch nur auf einen Standort in Lippstadt konzentrieren. Wie bereits gemeldet, wird Kaufland im Laufe des Jahres in der Erwitter Straße den bisherigen HIT-Markt übernehmen, umbauen und als Kaufland neu eröffnen.

Nach Aussage des HLG-Geschäftsführers Dirk Brockmann eröffnen sich durch die neue Situation Möglichkeiten für andere Lebensmittel-Anbieter, die bereits in der Vergangenheit Interesse am Standort bekundet hätten. Der Investor geht allerdings davon aus, dass sich die Verkaufsfläche durch einen anderen Anbieter verkleinern könnte. Wichtig sei aber weiterhin, „dass neben dem gesetzten Elektromarkt auch ein echter weiterer Ankermieter vorhanden ist.“

Aus Sicht der Stadt Lippstadt könnten eine kleinere Verkaufsfläche und die damit verbundene Verringerung der PKW-Stellplätze einige Problembereiche deutlich entschärfen. So wirke sich das geringere Bauvolumen positiv auf die städtebauliche Entwicklung aus. Möglicherweise könne sogar auf eine Parkebene verzichtet werden, was von Vorteil im Hinblick auf die Lärmproblematik wäre.

HLG-Geschäftsführer Brockmann sieht die Realisierung des Gesamtprojektes weiterhin als gesichert an: „Die wesentliche Grundlage für die Realisierung des Projektes hat die Stadt Lippstadt bereits Ende vergangenen Jahres per Ratsbeschluss geschaffen: Die Stadt hat die notwendigen Bahnflächen des Güterbahnhofs erworben und die Förderung des Landes für die Erschließung steht.“"


Ok, es erstaunt mich nicht - war ja klar, dass es so kommt, auch wenn die Stadtverordneten gebetsmühlenmäßig immer wieder die Kaufland-Litanei beteten. Ganz so blöd ist der Bürger halt nicht.
Sehr niedlich ist ja die neueste Argumentation: Klein ist besser.
Bei Bürgervotum hieß es noch: Think big.
Irgewndwie alles sehr unglaubwürdig - ich wette, auch aus den neuen Plänen wird nix.
Wie lange wird es wohl dauern, bis die Kommunalpolitiker merken, dass sie sich einfach nur noch lächerlich machen?

Apropos lächerlich....
Was läuft eigentlich in der CDU? Was macht Hannilein denn so? Und was wird denn nun mit dem anderen Südertorbauprojekt?

Samstag, November 21, 2009

Wo soll in Lippstadt der Pranger stehen?

Manchmal ist meine MHG ja echt Gold wert. Kaum wird es stiller um die heimische CVDU, werde ich aus dem beginnenden Winterschlaf geweckt. Fast dachte ich, ein neuer Zombiefilm würde beworben oder ein Serienmörder wäre gestellt: "Ich hoffe, dass ihnen das Blut in den Adern gefriert". Grandios, wirklich absolut umwerfend - das meine ich ernst.

Der Rest ist dann leider wenig erfreulich. Von Schmarotzertum und Ignoranz ist die Rede. Herr Ziems scheint ja mächtig auf Schaum gewesen zu sein wegen seinen Lämpchen. Angesichts der vielen Leerstände in der Stadt verstehe ich ja seine (wohl auch sehr persönliche) Sorge um das Weihnachtsgeschäft. Gestern abend nach dem Kino durfte ich ja die fortschreitende Dekonstruktion der Einkaufsmeile bewundern, doch wildes Umsichbeißen ist da sicher keine LÖsung.

Wenn von 100 Mitgliedern der Organisation über ein Drittel nicht mitmachen will, sollte das doch Herrn Ziems zu denken geben, oder nicht?
Warum wollen die denn nicht? Verdienen die nicht mehr genug? Sind die Mieten zu hoch? haben die keinen Bock mehr auf Werbegemeinschaft? Und wenn ja, warum? Bissi Selbstreflektion wäre manchmal ganz gut, aber es ist halt nicht jedem gegeben.

Am schlimmsten ist jedoch der Leserkommentar, der eine öffentliche Bloßstellung der "Verweigerer" fordert. Ohje, das kann auch mächtig nach hinten losgehen, mal ganz abgesehen davon, dass ich dabei ganz, ganz merkwürdige Gefühle bekomme.

"Kauft nicht bei Schmarotzern" - vielleicht noch kombiniert mit einem Grafitto am Schaufenster: Ein durchgestrichener Weihnachtssstern? Gruselig.

Mittwoch, November 04, 2009

Vom angeblichen Wählerwillen und möglichen Koalitionen

Ok, gesetzt den Fall ich hätte einen der bösen CDU-Abweichler aus Lippstadt bei der Kommunalwahl gewählt und wäre außerdem nicht über die Abweichabsicht desjenigen informiert gewesen (was insgesamt sehr unwahrscheinlich ist), dann würde ich mich nun auch mächtig verschaukelt fühlen. Sehe ich ein, finde ich auch völlig daneben, was die Jungs da gemacht haben.

Aber aufgrund der neuen politischen Machtverhältnisse nun davon zu reden, dass die Listenverbindung von SPD, FDP und Grünen nicht dem Wählerwillen entspricht, finde ich höchst merkwürdig und undemokratisch.
Ein Blick ins Internet zeigt mir, dass es in Erwitte die CDU auf recht erklecklichen 34,6 % hockt. Die FDP holte 26,4 %. Wenn man das als "gesittete Verhältnisse" beschreiben möchte, gut, ist halt Ansichtssache, aber eben Wählerentscheidung. Normalerweise wählt man ja auch nicht von vorneherein eine Koalition, sondern eine Partei.

Politik braucht Mehrheiten und wenn man diese als Partei nicht alleine beschaffen kann, muss man sich eben nach möglichen Partnern umsehen. ist halt wie im richtigen Leben. Wenn ich das richtig sehe, hätten CDU und FDP es im Lippstädter Rat gemeinsam auf 25 Sitze gebracht - also hätten sie auf jeden Fall die BG gebraucht. Nach der Abspaltung fehlen dann ja wohl 4 Stimmen/Sitze bei der CDU, also sieht die Sache noch böser aus. Klar, 2004 war das noch eine anders, aber so ist es eben mit den Wahlen - wäre ja auch alles einfacher, wenn da nicht der Wähler wäre. Defacto haben im Moment CDU und SPD dieselbe Anzahl Sitze. Hmmm.....

Die Wahlbeteiligung lag bei mageren 42 % - nicht grade der Brüller. Und insgesamt haben nun die bösen Oppositionsparteien auch ein ansehnliches Sümmchen an Stimmen erhalten. Da die FDP aus völlig verständlichen Gründen keinen Bock auf die Zusammenarbeit mit der CDU hatte, suchte sie sich frei nach dem Motto "Andere Mütter haben auch schöne Kinder" halt was Besseres.
Und das ist nach unserem Wahlrecht auch völlig legitim, ja sogar gewollt.Ob es nun so wunderbar ist, dass die gerade die Abweichler und letztlich die Vertreter der "Linken" Zünglein an der Waage spielen dürfen, ist eine andere Frage.

Think positive - die Zeiten gähnend langweiler Durchwinkerei von Entscheidungen im Stadtrat sind vorbei. Und der Wähler kann die nächsten vier Jahre ganz genau hinschauen, wer von den Kommunalpolitikern nun sein Wort hält und wer nur in der letzten Reihe das Sitzungsgeld kassiert. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Montag, November 02, 2009

CDU-Lippstadt - nun wird zurückgeschossen.......

Die Kriegsberichterstattung ist für mich ein neues, jedoch sehr faszinierendes Metier. Der angebliche Neuanfang der CDU nahm am Wochenende fast die gesamte dritte Seite des Lokalsteils meiner geschätzten Heimatzeitung ein. Der Bürger sprach hingegen auf Seite 2. Und auf eben dieser Seite konnte auch der Leserbrief eines CDU-Ortsteil-Politikers zur Kenntnis genommen werden. Jener Herr Luig startete hier eine Offensive über die Flanke. Nur zur Klarheit: Der Mann gehört zum Heer von Herrn Hammer - schließe ich aus seinem Brief.

Nun, der Leserbriefschreiber hat durchaus Recht, wenn er den greisen CDU-"Granden" (wobei ich das ja sehr euphemistisch finde) ein gebetsmühlenartiges Wiederholen der unklaren Kritik an General Hammer vorwirft. Was hat der Mann eigentlich getan? Könnte mir das mal jemand erklären?

Der Hinweis, dass die Abweichler ja unter dem Deckmäntelchen der CDU ihr Mandat erhalten haben, ist auch korrekt. Kommt beim Wähler möglicherweise auch nicht gut an. Aber um den Wähler geht es ja bei diesem Krieg schon lange nicht mehr. Und mit Sicherheit auch nicht mehr um politische Inhalte oder gar um Lippstädter Themen.

Mich beschleicht immer mehr der Verdacht, dass es bei der ganzen Auseinandersetzung niemals um Inhalte oder um politische Fragen ging.
Das Stimmvieh hat seine Schuldigkeit getan. Leider sehr zum Entsetzen der CDU, wie ja auch Hajo Kaiser anmerkte, nicht in der Form, die eigentlich traditionell erwartet wird, aber immerhin. Nun ist der Wähler raus aus der Sache und kann es sich mit Kaffee und Kuchen, zu fortgeschrittener Stunde auch bei dem einen oder anderen Glas Wein, am Schlachtfeldrand gemütlich machen. Feuerschalen und warme Decken sind mitzubringen.
Das erinnert mich nun wieder an "Asterix auf Korsika" wo die sehr sympathischen korsischen Senioren die unvermeidliche Schlacht höchst erhellend kommentieren. In Lippstadt wären dann folgende Dialoge denkbar:

"Ach, guck mal, ist das nicht der kleine Kaster, der Sohn von dem alten Kaster, der da vorbeifliegt?"
"Genau, und da boxt die Hannelore. Die war in der Schule schon so durchsetzungsfähig. Wem haut sie denn auf den Kopf?"
"Das ist doch der kleine Jan vom Dorf. Schon sein Onkel wollte unbedingt nach Lippstadt......Ui, nun hat sie ihn an den Hammerbeinen."
.......

Irgendwer wird schon bei dem ganzen Gekeile übrigbleiben und im Zweifelsfall das CDU-Paddelboot (von einem stolzen Segler kann ja nicht mehr die Rede sein) wieder auf Kurs bringen wollen. Im Moment gibt es zuviele Kapitäne und kaum noch Matrosen.

CDU - nun greift die Infanterie an....

Vollmundig verkündete am Wochenende meine geschätzte Heimatzeitung: "Wolf setzt Zeichen für CDU-Neuanfang".Mal abgesehen von der netten Anspielung an die Gebrüder Grimm (Wer ist der Wolf und wer sind die sieben Geißlein?), ist es ja nun de facto so, dass nicht der böse Wolf für den Neuanfang steht, sondern ein gewisser Herr Kaster. Denn der gute Wolf verzieht sich ja " ratlos und traurig" in den Wald und jammert "wie erbärmlich die einst stolze CDU dastehe". Ohje, klingt schon fast nach Depression.

Was ist passiert? Die Ortsunion Lippstadt, die offensichtlich dem guten Herrn Hammer alles andere als wohlgesonnen ist, wählte einen neuen Vorsitzenden, eben jenen Herrn Kaster. Und dieser neue Vorsitzende haut als erstes mal richtig drauf, verbal, versteht sich. Da ist von persönlichen Eitelkeiten die Rede, denen er die Grundlage entziehen will. Soso....das wäre bei der CDU ja mal was ganz neues....Fehlen dürfen auch nicht die markigen Sprüche, mit denen die Mitglieder auf Linie gebracht werden sollen. "Präsenz und Aktivität" werden gefordert. Sehr nett folgender Satz:

"Ein `Weiter so`wird es mit mir nicht geben."

Huch, sollen die Mitglieder nun Angst bekommen oder was meint der Mann?

Andererseits: Wenn es mit der CDU denn nun wirklich so weiterginge, wie im Moment, wäre das sehr amüsant. Mal gucken, wie weit diese Partei sich noch dekonstruieren kann. Schade eigentlich, dass Herr Kaster mir diesen Spaß nehmen will, wobei ich mal vermute, dass seine Kampfansage eher für noch mehr Spaß sorgt.

Faszinierend ist ja die Tatsache, dass nicht Herr Kaster mit dem bösen Herrn Hammer ins Gericht geht, sondern der scheidende Wolf. Sehr geschickt gedacht, liebe CDUler, aber sehr durchsichtig. Denn dieser Herr Wolf, der ja vorher schon "mea culpa" genuschelt hat, haut nun richtig drauf:

"Der Stadtverbandsvorstand (damit ist Herr Hammer gemeint) sollte erkennen, dass er nicht fähig ist, die Gesamtheit der Union zu führen."

Aha....das haben wir nun schon öfter gehört oder gelesen, wobei wir immer noch nicht wissen, was damit konkret gemeint ist. Ich fasse kurz zusammen: Es war von "Pöstchengeilheit" die Rede, von "erwiesener Unfähigkeit" und von bösen Mächten hinter Herrn Hammer.....dazu bemühte man sogar irgendwelche schon recht greise CDU-Gesteine, die kraft ihrer gemutmaßten Autorität solche wirren Anschuldigungen äußerten.

Aber ernsthaft: Haben wir irgendwas Gehaltvolles zum Thema "erwiesene Unfähigkeit" erfahren? Nöö, haben wir nicht.
Wir ahnen nur, dass es offenbar um persönliche Eitelkeiten geht, da hat Herr Kaster wohl recht, und dass bisher nur das Heer um die Generäle Laumanns und Bartmann-Salmen (wobei die Vorstellung von Frau Bartmann-Salmen in Uniform mich mehr als verzaubert) angreift. Momentan wieder über die Flanken, da der gegenerische General sich mit seinem Stab hinter die Linien zurückgezogen hat.

Von einem Neuanfang, wie es uns meine MGH so vollmundig ans Herz legt, kann also nicht die Rede sein. Eher vom Beginn einer neuen Schlacht. Klingt nach "Getrennt marschieren, vereint schlagen".

Da paßt dann auch der recht einseitige Kommentar in MGH ins Bild, der nach dem gebetsmühlenartigen Wiederholen der angeblichen öffentlichen Kritik an Herrn Hammer höchst philosophisch Selbsterkenntnis einfordert.

Donnerstag, Oktober 29, 2009

Leserbrief in eigener Sache des Verlegers

Wie ich seit heute weiß, ist der Posten eines stellvertretenden Bürgermeisters angesichts der abzuleistenden Repräsentationsstunden bei diversen Veranstaltungen nicht sonderlich lukrativ. Wer will sich schon, wenn er nicht ein grenzenloser Exibitionist ist, die Wochenenden derart vergeigen lassen?

Aber dennoch regt sich Neid oder ist es nur eine Art Reflex? Jedenfalls stellte ich heute morgen bei der Lektüre meiner sehr geschätzten Heimatzeitung fest, dass "Lück inne Porz ze hänge" (für Westfalen: wörtlich bedeutet das "Menschen in die Tür zu hängen" sprich: über Menschen öffentlich herzuziehen) mittlerweile gesellschaftlich goutiert wird. Jedenfalls im ach so katholischen Westfalen. Wie war das doch noch mit dem Splitter im Auge des Anderen und dem Balken? Aber das Wörtchen "christlich" ist offenbar sehr dehnbar.

Es ist sogar möglich, Menschen ganz öffentlich der Gier zu bezichtigen, wobei ich nun angesichts der doch recht mäßigen Entlohnung für die politische Tätigkeit den im Leserbrief vorgeführten Herrn nicht in die Nähe von Ackermann und Konsorten stellen würde. Aber das am Rande.....

Vielmehr irritiert mich,was MGH mir da als Leserbrief verkaufen will? Und vor allem wen als Leser? Nun, für einen Verleger und sei er auch nicht mehr derart aktiv, wie in seinen besten Jahren, sollte es wohl selbstverständlich sein, sein Blatt auch zu lesen. Insofern ist er schon ein Leser, wie ich hoffe.
Doch allen Ernstes für einen derart persönlichen Angriff, der auf Hörensagen beruht und wo es noch dazu um lächerliche, geradezu kleinkrämerliche Summen geht, einen Leserbrief zu fingieren, ist grober Unfug.
Unter "In eigener Sache" wäre diese Verbalattacke auch nicht recht plaziert, immerhin geht es nicht um die "Sache" (und schon mal gar nicht in sachlicher Form), sondern es geht ganz eindeutig um einen einzigen Menschen, der hier öffentlich demontiert werden soll.
Mies, ganz mies.

Wem nützt es?
Der CDU als Partei in Lippstadt gewiss nicht. Solche Schlammschlachten sollten vernünftige Menschen unter sich ausmachen.
Dem Verfasser des "Briefes" vielleicht. Immerhin fühlt er sich, wie ich hoffe, nun besser. Quasi ein therapeutischer Akt.
Der Front um besagten Leserbriefschreiber auch nicht.
Eigentlich hat nur der geneigte und hoffentlich mit Verstand gesegnete Leser etwas davon, nämlich eine Erkenntnis und aus dieser kann er seine Schlüsse ziehen. Nach der Wahl ist vor der Wahl und bald gehts wieder los mit dem Gerangel um die Wählergunst.

Dienstag, Oktober 27, 2009

Die Lippstädter CDU und die Dekonstruktion

Die Folgen der geradezu possenhaften Selbstzerstörung der CDU treiben immer beachtenswertere Blüten. So liest der interessierte Bürger, dass nun die Pöstchen im Lippstädter Stadtrat frei nach dem Prinzip der Reise nach Jerusalem neu besetzt wurden.

Viel spannender ist aber die schon poststrukturalistsch zu nennende Verhaltensweise der CDU. Betrachtet man die CDU nicht als Partei, sondern in einer anderen Funktion als "Gegenstand", der sich selbst thematisiert, drängen sich Assoziationen mit der Dekonstruktion geradezu auf. Kurz zum Auffrischen hier ein Einblick:

"Die Dekonstruktion geht grundsätzlich davon aus, dass die Thematisierung bestimmter Gegenstände (...) andere zugleich ausgrenzt. Anstatt nur auf explizit mitgeteilte Information konzentrieren sich dekonstruktivistische Analysen daher auch und besonders auf diejenigen Faktoren, welche diese Thematisierung erst ermöglichen.(...)Dies ermöglicht dann Fragen zu stellen wie: welche Ausgrenzungs- und Etablierungsmechanismen, welche Strategien des Glaubwürdigmachens, welche hierarchischen Strukturen eines Signifikantengefüges erlauben, das entsprechende materielle Gefüge als sinnhaften Bedeutungsträger zu verstehen und auf eine bestimmte Bedeutung oder „Aussageabsicht“ zu reduzieren? An welche Konstitutionsbedingungen sind die entsprechenden Sinn- und Geltungsansprüche gebunden? Dies kann insbesondere auch Konflikthaftigkeit, Aggressivität, verdeckte Gehalte und Intentionen sichtbar machen."

Tja, treffender kann man die aktuelle Situation eigentlich nicht beschreiben. Im Klartext, die CDU betrachtet sich sozusagen gerade selbst als Gegenstand durch die dekonstruktivistische Brille und enttarnt damit alle diese bekannten Mechanismen: die Ausgrenzungen andersdenkender Mitglieder, die jahrelangen Etablierungstechniken, die Metaebene der politischen Aussagen, die stets verdeckten Strukturen hinter dem Offensichtlichen.
Und leider (oder glücklicherweise) kommen so auch die kleinen, teils miesen Emotionen ans Tageslicht.

Samstag, Oktober 24, 2009

Weiter so, CDU - Neues von der Bartmann-Salmen-Front

Schon klar, dass nun alles unklar ist - jedenfalls was die neuen Mehrheiten, aktuelle Listen und überhaupt den Lippstädter Stadtrat angeht.
Schon klar, dass da mit Sicherheit viele Köpfe hochrot angelaufen sind.
Auch völlig verständlich, dass die Lippstädter FDP im Moment keine Lust verspürt mit auf dem sinkenden Schiff über die Lippe zu gondeln. Würde ich an deren Stelle ja auch lassen.

"Bernd Neuhoff, Fraktionsvorsitzender der FDP, bestätigt die geplante Listenverbindung mit SPD und Grünen. Da sei es am ehesten möglich, eigene Inhalte durchzusetzen, so sagt er und führt gleichfalls Sach- und Fachkriterien als maßgebend ins Feld. Zwar stehe man grundsätzlich der CDU näher, aber mit Blick auf die momentan so desolate Verfassung der Lippstädter CDU könne man die nicht als verlässlichen Partner sehen, fügt der Sprecher der Liberalen hinzu. Neuhoff: „Das ist ein Sonderfall“. Vorausgegangen seien dieser Entscheidung viele Gespräche mit den anderen Fraktionen."

Sehr nett und auch amüsant sind die möglichen Folgen des CDUinternen Wirrwarrs:

"SPD-Fraktionschef Hans-Joachim Kayser sprach zwar gegenüber unserer Zeitung von einer „unklaren Gemengelage“. Er hofft aber, dass bei der Ratssitzung am Montag die Überraschung gelingt und die „Ampel-Liste“ zum Zuge kommt - womit dann die CDU, jahrelang die dominierende Kraft im Rathaus, das Nachsehen haben dürfte bei der Besetzung der Bürgermeister-Posten, Rats-Ausschüsse und Aufsichtsräte der städtischen Gesellschaften.
Demnach könnte Sabine Pfeffer (SPD) erste stellvertretende Bürgermeisterin werden - ein Amt, das bislang die CDU als größte Ratsfraktion inne hat. FDP-Chef Dr. Bernd Neuhoff fiele der Vorsitz im wichtigen Planungsausschuss zu (bisher CDU). Und SPD-Fraktionschef Hans-Joachim Kayser könnte als Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrats Bürgermeister Christof Sommer (CDU) verdrängen."

Ich werde nun nicht behaupten, dass ich Mitleid mit der CDU empfinden. Immerhin sie sich ja den Ast auf dem sie sitzt selbst abgesägt...ach, was rede ich, wohl eher schon den ganzen Stamm. Soviel Blödheit geht ja auf keine Kuhhaut mehr.

Aber völlig daneben ist wohl der Eintrag der guten Hannelore Bartmann-Salmen im Forum meiner geschätzen Heimatzeitung:

"von Hannelore Bartmann-Salmen, am 24.10.09, 12:47 Uhr
Alleine hätte Herr Hammer niemals soviel Unheil für die CDU Lippstadts anrichten können.Darum muss man fairerweise den geistigen Urheber benennen ,der Herrn Hammer instrumentalisiert hat . WILHELM BÖRSKENS ."

Das, mit Verlaub, ist ja nun unterste Schublade! Ich musste ja erst zweimal hingucken, bevor ich die merkwürdige Präsentation des öffentlichen Spießrutenlaufens verstand. Sorry, oder besser kein sorry, das geht nunmal gar nicht und damit hat sich Frau Bartmann-Salmen für mich auch definitiv endgültig ins politische Off geschossen. Hoffentlich bleibt sie da.

Samstag, Oktober 17, 2009

Lippstädter CDU in der Krise?

Wie hinlänglich bekannt, sind die Mehrheitsverhältnisse im Lippstädter Stadtrat recht dürftig. Die CDU musste nach den doch deutlichen Stimmverlusten nach der Kommunalwahl von ihrem sicheren Pölsterchen Abschied nehmen, was bei mir persönlich nur wenig Mitleid hervorrief.

Kurz nach der Bundestagswahl, die - wir wissen - auch nicht gerade so grandios für die Christdemokraten (ich bin ja sicher, dass die in Lippstadt nur gewählt werden, weil sie das Wörtchen "christlich" im Namen führen)ausging, nun der Hammer aus Lippstadt. Vier CDUler erklären sich zu einer neuen Fraktion, machen richtig Wind und holen mal fix zum Rundumschlag aus. Wie passend, dass den Herren ihr Gewissen erst nach der Wahl schlug - da hatten sie ihre Mandate ja in der Tasche, was auch einigen fleißigen Leserbriefschreibern schon aufgefallen ist.

Es geht wohl um "Lagerdenken" um "persönliche Seilschaften" und um den Vorwurf der "Pöstchenschieberei". Himmel, das sind doch alles alte Hüte! In Lippstadt pfeifen es doch die Miniermotten von den Kastanien, was in Sachen CDU seit Generationen läuft. Apropos, Generationen.......spannend in dieser Hinsicht ist ja Folgendes, was hier nachzulesen ist, aber aus verständlichen Gründen nicht den Weg in meine sehr geschätzte Heimatzeitung gefunden hat.


"Nun meldet sich Pressesprecher Siegfried Pfenninger mit den „wahren Hintergründen” zu Wort.

In Wirklichkeit, so Pfenninger in einer Presseerklärung, passe ihnen nicht, dass der mit einer deutlichen Mehrheit gewählte Werner Bresser neuer CDU-Fraktionsvorsitzender ist.

Die CDU-Lippstadt sei jahrzehntelang „von dem ,System Dr. Michael Laumanns'” dominiert worden, geprägt durch Abhängigkeiten und Bevormundungen”. Zuletzt seien die „Strippen” mit Hannelore Bartmann-Salmen, der damaligen CDU-Stadtverbandsvorsitzenden, gezogen worden, „um die CDU mit ihnen wohlgesonnenen Personen auf ihre Linie zu bringen”. "


Das ist ja nun nicht gerade empathisch oder gar diplomatisch und so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass es sich in der Lippstädter CDU offenbar um ein wahrhaft expressionistisches Problem handelt. Arnolt Bronnen (ein doch recht zwielichtiger Autor, das am Rande, aber er passt hier in mehrfacher Hinsicht) forderte: Tötet die Väter. Soviel literaturhistorischen Verstand hätte ich den CDUlern ja gar nicht zugetraut. Immerhin traut sich besagter Herr Pfenniger, von dem übrigens in MGH (meiner geschätzten Heimatzeitung) nicht die Rede war, Ross und Reiter beim Namen zu nennen.

Und was passiert?
Der Bürger steht da und wundert sich.
Frau Bartmann-Salmen bekennt sich als Mobbing-Opfer.

Herr Pfenniger und Herr Hammer haben eigenartige Vorstellungen von Ausgeglichenheit:

"Das Argument „Lagerdenken Kernstadt gegen Ortsteile” mache keinen Sinn: Der im Jahre 2007 gewählte Vorstand des CDU-Stadtverbandes bestehe mehrheitlich aus den Mitgliedern der Ortsunion Lippstadt. Vielmehr sei der Vorstand ausgeglichen besetzt."

Der Kommentator bezeichnet das alles völlig "wertfrei" als Drama.

"Klar dürfte nur soviel sein: Die CDU in LIppstadt erlebt momentan ein ganz trauriges Kapital in ihrer Geschichte...(sic)"

Sorry, aber der politisch halbwegs bewegte Mensch schüttelt da einfach nur noch den Kopf.
Wer sich die Suppe einbrockt, muss sie halt auch auslöffeln. Selbst schuld.