Mittwoch, Februar 17, 2010

Duschen Männer anders?

Allmorgendlich unter der Dusche fällt mein Blick auf die Duschgelsammlung des Liebsten. Energy Zone oder Speedster verkünden die Packungen in markiger Schrift, die Packung selbst ist wahlweise schwarz, grün oder blau - niemals pastellfarben oder gar rosa. Immer duftet das Ganze betont maskulin - oft schon zu maskulin. Geworben wird mit Xtra Frische. (Können die Werber nimmer schreiben?)Sehr witzig sind auch die lustigen Sätze auf der Packungsrückseite: energiegeladenener Start in den Tag, stimulierend für Geist und Körper, der tägliche Energieschub.....hmmm, klingt eher nach Motor, weniger nach Körperpflege. Dann enthalten die Dinger auch noch vorzugsweise irgendwelche Mineralstoffe. Warum nur habe ich den Eindruck, dass hier eine gewisse gewollte Nähe zur Autopflege besteht? Warum sollte ich meinen Körper mit Taurin einseifen?

Nee, dann lieber Frauenmittelchen: Immer schön pflegend, intensiv, mit sinnlichem Duft in netter, harmloser femininangetouchter Verpackung. Fein handschmeichelnd und natürlich verwöhnend.....

Ok, in Sachen Körperpflege ist die Welt einfach noch säuberlich geteilt.

Freitag, Februar 12, 2010

Mogelpackung Lippstädter Gesamtschule?

Lippstadt bietet reichlich bemerkenswerte Themen: der Suizid auf Raten der kommunalen CDU, das stets in Planung schwebende Allwetterbad, die berühmte Unterführung, das fast schon gestorbene Projekt Betonklotz und auch das sehr reizvolle Thema Gesamtschule.

Wir erinnern uns: Eigentlich wollte die Stadt ja keine Gesamtschule, weil ja in Lippstadt das mit den Schulen alles so super ist. Aber die INI und viele Eltern wollten eine. Dann wurde die Elternbefragung durchgeführt. Das Ergebnis entsprach leider nicht dem Plan (eigentlich sollten die Eltern ja für die tolle Lippstädter Schulllandschaft und gegen die böse Gesamtschule stimmen) und schon hatten unsere Stadtväter und -mütter den Salat. Damals war Hannilein ja auch noch irgendwie am Start, aber die schimpft heute nur noch über ihre eigene Partei (aber "das ist ein weites Feld"...na, wer hats gesagt?)

Hmm, also nun wohl doch eine städtische Gesamtschule, jedenfalls irgendwie nicht mit der INI, sondern anders. Auch nicht als Ganztagsschule, was ich nie verstanden habe, da ja gerade hier das Bonbönchen der Gesamtschule liegt. Es wurden wie immer Ausschüsse und Beiräte und was weiß ich gebildet, die dann erstmal munter vor sich her berieten, so hoffe ich.
Schulort und Schulstruktur waren schnell gefunden - das war auch alles. Fragt man z.B. bei der angeblichen Fachfrau für die Gesamtschule mal etwas konkreter nach, z.b. was die Förderung von Kindern mit Teilleistungsstörungen angeht, so dringt nur Schweigen durchs Telefon.Dennoch meldeten viele Eltern ihr Kind an - richtig so, denn angesichts der aktuellen Situation unseres Schulsystems kann man dazu nur dringend raten.
Das ganze Hinundher zum Thema Genehmigung durch die Bezirksregierung spare ich mir nun - kann man in MGH nachlesen. Viel spannender ist der Leserbrief, der heute den Weg ins Blatt fand.

"Ich wünsche mir:
- eine Gesamtschule für alle Kinder, damit jedes Kind die Möglichkeit bekommt sich nach seinen Fähigkeiten zu entwickeln,
- engagierte und geschulte Lehrer, die ihren Beruf noch als Berufung sehen und nicht als gut bezahlten Halbtagsjob,
- notwendige Therapien wie Psychomotorik, Lese-Rechtschreib-Schwäche- oder Dyskalkulie-Therapie, eingebunden in das Konzept der Schule,
- sportliche Angebote der Schule für alle Schüler,
- eine Kantine mt einem ausgewogenen Mittagsangebot sowie
- Ganztags-Unterricht mit qualifiziertem Personal anstatt Nachmittags-Betreuung durch Kindergarten-Erzieherinnen."

Liebe Frau Henschel-Knorr, Sie haben völlig recht. Wenn ich ganz ehrlich bin, wünsche ich mir all das für alle Kinder in allen Schulformen - das Wörtchen "Gesamt" kann man da ersatzlos streichen. Aktuell erlebe ich eine sehr erschreckende Entwicklung in den Schulen: Kinder, die nicht 08/15 sind (was auch immer das sein mag und welchen angeblichen Vorteil es auch bieten könnte), werden schnellstmöglich von manchen Lehrern "wegsortiert", "durchgereicht", im Klartext an Förderschulen verwiesen. Da werden Kinder aufgrund völlig irregulärer Tests, die natürlich von Lehrern durchgeführt werden, als lernbehindert eingestuft. Manche Lehrer diagnostizieren heute auch locker ADHS oder emotionale und soziale Störungen bei Kindern. Beachtlich, was manche Pädagogen alles so können. Psychiater brauchen dazu schon mal ein paar Diagnostiktermine. Die Folge ist steigender Druck in den Familien, der natürlich bei den Kindern landet. Die sind die Schwächsten im System. Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Ängste, Enuresis, aber auch beginnende Depressionen oder Aggressionen sind die natürlichen Folgen.
Wer als 10-jähriges Kind nicht echt hart gesotten ist, kann im heutigen "G8"-Horror kaum überleben - Eltern übrigens auch nicht.

Und was die von Ihnen gewünschten Therapien in der Schule angeht: Gerne! Das Problem ist nur, dass viele Lehrer den Therapeuten als natürlichen Feind betrachten. Das beginnt schon damit, dass Lehrer manchmal der Meinung sind, das es keine LRS/Dyskalkuklie gebe. Manche denken auch, dass das betreffende Kind mit Sicherheit nicht betroffen sei, warum auch immer. Angebote an Lehrer, in den Therapien zu hospitieren oder sich wenigstens das Material anzusehen, werden seltenst wahrgenommen.

Zur Ehrenrettung der Lehrerschaft ist zu sagen: Diejenigen, die diese Angebote wahrnehmen, sind alle hochengagiert und bereit, das betroffene Kind neu wahrzunehmen. Und aus diesen wenigen Fällen entwickeln sich auch produktive Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Vielleicht, liebe Frau Henschel-Knorr, fällt Ihnen ja ein Weg ein, wie man das Problem lösen könnte - zum Wohle der Kinder. Warum nicht Schulen für andere pädagogische oder therapeutische Berufe öffnen? Warum nicht die Ganztagsschule, die wirklich fördert und fordert?
Da fällt mir ein: In Rüthen ist doch grade so ein Theater um eine Montessori-Schule. Dazu wollte ich ja auch noch bloggen.

Mittwoch, Februar 03, 2010

Vom Saulus zum Paulus ? - die Wendemanöver der BG in Lippstadt

Es freut mich ja, dass der normale Bürger durchaus noch ein gutes Gedächtnis hat. So meldete MHG am 2.Februar, dass die BG in der Absage von Kaufland neue Chancen sehe und nun sogar die Möglichkeit bestünde, kleinteiliger zu bauen.

Wie der Forumsteilnehmer richtig feststellt, können wir hier eine gar wundersame Wendung live verfolgen, denn vor noch nicht allzu langer Zeit trötete die BG in ein ganz anderes Horn.

Im März 2007 galt der klotzige RKW-Entwurf bei der BG noch als "das im Vergleich beste Modell". Vom heutigen Gerede von Kleinteiligkeit keine Spur. Kaufland wurde als notwendiges Übel hingenommen.

Im Mai 2008 hörte es sich dann schon ein wenig anders an.

"Der Gedanke für die BG ist, dass wir mit „Kaufland“ einen der kostengünstigsten Anbieter
aus der Lebensmittelbranche in die Innenstadt holen. Insbesondere Personenkreise mit
geringeren Einkommen werden hiervon profitieren."

Aha, dann also doch unbedingt Kaufland? Das folgende, damals modische, Gefasel über den "heißen Sommer" und die "ach so böse Initiative" hatte ich ja bis heute gar nicht gelesen. Schon lustig, war ja gar nicht Hannilein allein.

Bei den Empfehlungen zum Bürgerentscheid bezog die BG damals auch eindeutig Position:
Für einen großflächigen Bau nach Vorgaben von RKW, für Kaufland und ganz eindeutig gegen andere Entwürfe und Nutzungsideen. Was ist eigentlich aus dem damaligen liebsten Kind der BG geworden? Also aus dem Bürgerzentrum, was die BG doch so dringend wollte?

Und nun? Nun ja die BG propagiert ein "weiter so" - eigentlich egal wie - Hauptsache eben "weiter so". Kaufland ist doch nicht mehr so wichtig, kleinteiliger bauen ist nun auch ok (ähm, wie soll das gehen, wenn nicht mehr diskutiert werden soll), aber eben auf jeden Fall soll da was hin. Anscheinend recht egal was - eben irgendwas.

Montag, Februar 01, 2010

Wo kann man solche Winter bestellen?

Vorneweg: Ich liebe diesen Winter! Kein nasskaltes, graues Ekelwetter, sondern puschelige weiße Flocken. Keine dunkle Depriphase, dafür lange Schneewanderungen. Wunderbar, und dem Hund gefällt es auch.

Sehr angenehm ist die Tatsache, dass ich im Moment den ganzen Dreck nicht sehen muss, der sich unter dem Schnee ansammelt. Sowohl ganz konkret in Form von Hundehaufen, als auch übertragen gesehen.

Außerdem bietet dieses Wetter unglaubliche politische und ökonomische Vorteile:
Die Heizungskosten sind hoch, das hilft der Wirtschaft. Wer nicht heizen kann oder will, muss es sich unter warmen Decken gemütlich machen - vielleicht führt das ja zu einem Bevölkerungswachstum, wie von den Politiker so oft gefordert.
Streusalz, Schneeschieber, Frostschutzmittel sind gefragt wie nie. Schlitten und Co. ausverkauft. Der Markt für entsprechende Kleidung boomt auch.
Unsere Medien haben endlich so richtig was zu berichten und können mit Panikszenarien aufwarten. The day after tomorrow live auf Hiddensee. Hollywood wird neidisch und unsere unsäglichen Heimatsender können das in Eigenproduktionen publikumswirksam vermarkten. Ich sehe schon Jan Josef Dingens mit Langlaufskiern über das Eis nach Hiddensee gleiten und Till "der leider niemals Schweigende" könnte mit Lara Werauchimmer unter der Decke den Eismassen trotzen. Grandios.
Neben den besagten medialen Effekten bietet der "Jahrhundertwinter" auch diverse Schlupflöcher um unliebsamen Diskussionen aus dem Wege zu gehen.

Wer interessiert sich schon noch für die nichtvorhandene Bundespolitik, wenn permanent von der Winterkatastrophe die Rede ist? Keiner, denn alle rasen in die Geschäfte und packen den Einkaufswagen mit Unsinn voll. 20 cm Schnee? Drohender Stromausfall? Hungersnöte? Schnell noch losgefahren, damit wir den Untergang bei Chips und Getränken genießen können.

Äußerst nützlich ist der Winter auch für die Lippstädter Politiker. Besser Streusalzdebatten und Winterdienstnachrichten als ernsthafte Diskussionen über den Unfug, den sie so verzapfen.
Da möchte man doch einige kommunalen Größen den Schneeschieber reiche, damit sie schnell noch mehr weiße Pracht über ihre Häufchen schieben können. Hat ja keiner gesehen und nach den neuesten Prognosen dauert es auch noch was, bis wir den ganzen Mist zu sehen bekommen.

Samstag, Januar 30, 2010

Was kümmert unsere Kommunalpolitiker ihr Geschwätz von gestern?

Nichts kümmert es sie. Und das Erstaunliche: Es fällt keinem auf oder wird totgeschwiegen.

Ich habe mich heute nachmittag nochmal in die "Güterbahnhof Files" vertieft und sitze nun verwirrt und auch ein wenig entnervt im romantischen Geseke.

Wir erinnern uns (fällt nicht schwer, stand ja erst heute in MGH):

"Der Investor geht allerdings davon aus, dass sich die Verkaufsfläche durch einen anderen Anbieter verkleinern könnte. Wichtig sei aber weiterhin, „dass neben dem gesetzten Elektromarkt auch ein echter weiterer Ankermieter vorhanden ist.“
Aus Sicht der Stadt Lippstadt könnten eine kleinere Verkaufsfläche und damit eine Verringerung der Pkw-Stellplätze einige Problembereiche deutlich entschärfen. So wirke sich das geringere Bauvolumen positiv auf die städtebauliche Entwicklung aus. Möglicherweise könne sogar auf die Parkebene auf dem Dach des geplanten Einkaufszentrums verzichtet werden. Das wäre nach Meinung der Stadt im Hinblick auf die Lärmproblematik sogar von Vorteil."

Merkwürdig nur, dass im "heißen Lippstädter Sommer" immer die Rede davon war, dass es verkehrstechnisch keinerlei Probleme geben könnte. Jetzt also doch? Versteh ich nicht.
Von der Initiative wurde stets auf den drohenden Kollaps und die Lärmbelästigung der Anwohner hingewiesen. Diese Punkte wischten Investor und Kommunalpolitiker ständig lässig vom Tisch. Nun also gibt es doch eine Lärmproblematik? Ja, woher kommt die denn so plötzlich?

Äußerst eigenartig ist auch die Tatsache, dass nun offenbar nichts am Ankermieter Kaufland hängt. Dabei äußerte der BEG-Mensch bei einem der Bürgergespräche doch, dass "es entweder mit Kaufland gemacht würde oder gar nicht."
Ja was denn nun?

Was mich auch sehr irritiert ist die Tatsache, dass es nun auch kein Problem mehr sein soll, wenn das "Center" viel kleiner ausfällt, als ursprünglich geplant. Dabei kann man auf den offiziellen Lippstadt Seiten noch das damalige Gutachten finden, in dem ganz klar steht, dass es mindestens die Größe sein müsste. Als Argumente wurden der Sogeffekt auf die Nachbarstädte usw. genannt. Eine kleinere Bauweise sei nicht möglich, hieß es damals, was zur letztendlichen Absegnung des "Betonklotzes" führte.
Gilt dieses Gutachten nun nicht mehr? Damals wurde dieses Pamphlet als absolutes Nonplusultra bezeichnet. Nun ist es das wohl nicht mehr.

Warum habe ich nur den sehr deutlichen Eindruck, dass hier Wendehälse am Werke sind?
Erinnern sich Herr Sommer und Co. nicht mehr an ihre Aussagen der letzten Jahre? Beginnende Demenz oder politisches Kalkül?
(Nebenbei: Kommt ja irgenwie auch ganz schlecht, dass unser Bürgermeister noch nix so richtig reißen konnte. An der FH sind auch erst 85 Studenten eingeschrieben, das Allwetterbad gibts nicht, dafür massenhaft Kurzarbeit. Zig Läden in der Innenstadt machen dicht - hoffentlich, wirklich hoffentlich kommt wenigstens H&M...ehrlich)

Ach ja, dann ist da noch das Thema Media-Markt. So ganz zuversichtlich bin ich nicht, dass eine solche Filiale bald in Lippstadt eröffnet.
Dem Netz entnehme ich, dass Media-Markt offensichtlich eher in China expandieren möchte und dort sogar ein zweites Standbein erreichen wolle. In diesem Jahr soll es damit losgehen, dann können die Chinesen das, was sie schon lange produzieren, auch ganz easy in ihrem eigenen Land kaufen. Gute Idee und vor allem auch ökologisch korrekt.

In Deutschland hingegen sollen nur bis zu acht neue Märkte entstehen. Irgendwie kann ich nicht ganz glauben, dass ausgerechnet Lippstadt einer der Standorte sein soll.
Es wurde doch auch immer behauptet, Media-Markt käme nur in Kombi mit Kaufland. Kaufland kommt, aber nicht in das neue Center. Also warum sollte dann doch noch der Media-Markt in das Center am Güterbahnhof ziehen?
Ich vermute mal fast, dass das gesamte Projekt so tot ist, wie ein abgeschmückter Weihnachtsbaum Anfang Februar am Straßenrand, der auf die Abfuhr wartet. Ein paar vergessene Lamettafäden flattern noch am nadellosen Gerippe und die Hundekerle heben ihr Beinchen dran. Das braucht keiner mehr - also ab damit.

Augen zu und durch

Seit 7.00 Uhr höre ich schon die regen Nachbarn Schnee schippen. Da es ja immer weiter schneit, nehme ich persönlich Abstand von diesem sinnlosen Unterfangen und widme mich lieber den Wirrungen der Stadt Lippstadt.
Ja, ich habe mich gestern königinnenlich gefreut, als ich las, dass es nun doch keinen Kaufland-Markt am Güterbahnhof geben wird. Merkwürdig, dass es eigentlich alle schon längst wussten - nur die Kommunalpolitiker anscheinend nicht. Oder sie wollten es für sich behalten. Warum auch immer. Hmm, fällt den Leuten eigtentlich nicht auf, wie unglaublich lächerlich sie sich damit machen?
Meine geschätzte Heimatzeitung meint lediglich, es sei in bestimmten Kreisen vermutet worden. Huch, so kann man das auch bezeichnen.Offenbar gehört der Lippstädter Bürgermeister nicht zu diesen Kreisen der Stadt. Jedenfalls ließ er ja noch vor Monaten verlauteten, dass alles ganz klar sei und Kaufland den Markt beziehen werde.

"Bürgermeister und Investor versicherten am Freitag außerdem, dass die Firma Kaufland beim
Einkaufszentrum Südliche Altstadt weiter mit im Boot sein werde, auch wenn das Unternehmen
inzwischen an der Planckstraße eine weitere Filiale einrichten wolle. Christian Diesen räumte ein,
dass man von dem Kaufland-Coup überrascht gewesen sei, doch auch Bürgermeister Sommer
versicherte, dass die Verantwortlichen von Kaufland sofort nach Bekanntwerden der Pläne an der
Planckstraße mitgeteilt hätten, dass man an dem Projekt in der City ebenfalls festhalten wolle."
(Dank an die Kollegen von Lebendiges Lippstadt für die vorbildliche Archivarbeit.)

Vor einem Jahr zeigten sich Stadt und Wirtschaftsförderung noch siegessicher.

"Außerdem: Das Unternehmen habe schließlich mit dem Investor HLG aus Münster einen Mietvertrag abgeschlossen. „Der wird auch eingehalten“, so Coprian.
Der Wirtschaftsförderer räumte ein, dass die Realisierung des Projekts am Güterbahnhof schwierig sei. Insbesondere meinte er damit die Freistellung des Bahngeländes. Er gehe aber davon aus, dass 2010 begonnen werden könne. Die Bauzeit taxierte Coprian auf 15 bis 18 Monate."

Ok, nun halt doch nicht. War wohl nix mit den wasserdichten Verträgen und so. Ähm, hat mal einer bei Mediamarkt nachgefragt, ob die denn nun noch wollen? Ich meine, wäre ja mal ein Ansatz, sonst muss ich nachher noch lesen, dass auch Mediamarkt das wirtschaftlich lukrativere Weite gesucht hat. Andere Städte haben auch schöne Grundstücke. Angesichts des fortgeschrittenen Niedergangs der Stadt (Lehrstände, Billigläden etc.) wäre das kein Wunder. Was macht eigentlich der Wirtschaftsförderer aktuell?

Erstaunt lese ich, dass die HLG nun "neue Möglichkeiten" sehe. Achja? Alte Möglichkeiten gibt es ja auch nicht mehr. 5000 qm sollte der Kaufland belegen. Das ist ja nun mal ein Tante-Emma-Laden (Solche Läden sind ja zugunsten des Megaprojektes erfolgreich aus der Innenstadt verbannt worden)
Wie ich mich gut erinnere, äußerte Herr Sommer im letzten Jahr, es gebe keinen Plan B. War wohl doch ein Fehler, sich so naiv auf das Gefasel des Investors zu verlassen. Ein Plan B tut not - ein paar weitere Ideen C oder D (bloß nicht bis U) wären auch nicht schlecht. Denn das Dilemma ist da: Die Stadt musste das Gelände kaufen - war ja vorher klar, dass es so läuft. Gabs ja im Sonderangebot, wie wir wissen.
Mit dem Problem, dass man nicht alles kaufen sollte, was auf dem Grabbeltisch liegt.

Sehr faszinierend finde ich auch die neuesten Bekenntnisse zur angestrebten Größe des neuen Marktes. Offenbar geht keiner mehr von den 5000 qm aus. Dann passen ja wohl auch die schönen Pläne des Architekten mit Betonfetischismus nicht mehr. Was nun?

Kein Problem für die Macher. Flugs wenden wir das Mäntelchen.
War zur heißen Zeit der Diskussion noch die Rede davon, dass man keinesfalls kleinteilig bauen können (wir erinnern uns), sieht es nun offenbar ganz anders aus. Völlig sprachlos lese ich:

"Der Investor geht allerdings davon aus, dass sich die Verkaufsfläche durch einen anderen Anbieter verkleinern könnte. Wichtig sei aber weiterhin, „dass neben dem gesetzten Elektromarkt auch ein echter weiterer Ankermieter vorhanden ist.“
Aus Sicht der Stadt Lippstadt könnten eine kleinere Verkaufsfläche und damit eine Verringerung der Pkw-Stellplätze einige Problembereiche deutlich entschärfen. So wirke sich das geringere Bauvolumen positiv auf die städtebauliche Entwicklung aus. Möglicherweise könne sogar auf die Parkebene auf dem Dach des geplanten Einkaufszentrums verzichtet werden. Das wäre nach Meinung der Stadt im Hinblick auf die Lärmproblematik sogar von Vorteil."

Da kann man nur staunen, wie geschickt und mit welcher Leichtigkeit, die Dinge umgedreht und schön geredet werden. Wahnsinn, die Stadt wollte eigentlich immer kleiner bauen....Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Damals war doch von gewollten "Maßstabsbrüchen" die Rede, die unbedingt nötig seien, um das Projekt zu realisieren. Ein Riesenbau müsse her um die nötige Qudratmeterzahl zu bringen.....usw. Früher gabs ein Wort für solche Leute: Wendehälse.

Freitag, Januar 29, 2010

Ach nee, also doch kein Kaufland am Güterbahnhof?

Gerade flatterte diese PR-Nachricht in mein Postfach:

"Pressemitteilung von Freitag, 29. Januar 2010
Stadt Lippstadt

Kaufland und HLG beenden Zusammenarbeit beim Projekt Güterbahnhof

Lippstadt. Die Firma Kaufland wird kein SB-Warenhaus auf dem Güterbahnhofsgelände in Lippstadt errichten. Dies teilte heute der Investor für das Projekt Güterbahnhof, die HLG aus Münster, gegenüber der Stadt mit.
Die Geschäftsführung von Kaufland habe der HLG schriftlich mitgeteilt, dass sie von den Plänen, einen Einkaufsmarkt mit ca. 5.000 qm Verkaufsfläche am Güterbahnhof zu errichten, Abstand nehme.

Entgegen anderer Äußerungen aus der Vergangenheit will sich Kaufland jetzt doch nur auf einen Standort in Lippstadt konzentrieren. Wie bereits gemeldet, wird Kaufland im Laufe des Jahres in der Erwitter Straße den bisherigen HIT-Markt übernehmen, umbauen und als Kaufland neu eröffnen.

Nach Aussage des HLG-Geschäftsführers Dirk Brockmann eröffnen sich durch die neue Situation Möglichkeiten für andere Lebensmittel-Anbieter, die bereits in der Vergangenheit Interesse am Standort bekundet hätten. Der Investor geht allerdings davon aus, dass sich die Verkaufsfläche durch einen anderen Anbieter verkleinern könnte. Wichtig sei aber weiterhin, „dass neben dem gesetzten Elektromarkt auch ein echter weiterer Ankermieter vorhanden ist.“

Aus Sicht der Stadt Lippstadt könnten eine kleinere Verkaufsfläche und die damit verbundene Verringerung der PKW-Stellplätze einige Problembereiche deutlich entschärfen. So wirke sich das geringere Bauvolumen positiv auf die städtebauliche Entwicklung aus. Möglicherweise könne sogar auf eine Parkebene verzichtet werden, was von Vorteil im Hinblick auf die Lärmproblematik wäre.

HLG-Geschäftsführer Brockmann sieht die Realisierung des Gesamtprojektes weiterhin als gesichert an: „Die wesentliche Grundlage für die Realisierung des Projektes hat die Stadt Lippstadt bereits Ende vergangenen Jahres per Ratsbeschluss geschaffen: Die Stadt hat die notwendigen Bahnflächen des Güterbahnhofs erworben und die Förderung des Landes für die Erschließung steht.“"


Ok, es erstaunt mich nicht - war ja klar, dass es so kommt, auch wenn die Stadtverordneten gebetsmühlenmäßig immer wieder die Kaufland-Litanei beteten. Ganz so blöd ist der Bürger halt nicht.
Sehr niedlich ist ja die neueste Argumentation: Klein ist besser.
Bei Bürgervotum hieß es noch: Think big.
Irgewndwie alles sehr unglaubwürdig - ich wette, auch aus den neuen Plänen wird nix.
Wie lange wird es wohl dauern, bis die Kommunalpolitiker merken, dass sie sich einfach nur noch lächerlich machen?

Apropos lächerlich....
Was läuft eigentlich in der CDU? Was macht Hannilein denn so? Und was wird denn nun mit dem anderen Südertorbauprojekt?

Samstag, Dezember 12, 2009

Gute Geschäftsidee

Der früh pubertierende Sproß meines Leibes ist auf dem bestem Wege zu einem erfolgreichen Geschäftsmann. Vor einigen Tagen präsentierte das stimmbruchgeplagte Wesen mir rosafarbene (ok, an der Farbe müssen wir noch arbeiten) Zettelchen mit der Aufschrift "Ticket zum Himmel" (das geht auch nicht, da muss was pseudoenglisches hin). Gibts in zwei Varianten, also XP für den Turboaufstieg und halt Normal für die etwas Geduldigeren. Die XP-Variante ist natürlich auch teurer.
Angefertigt hat Sohnemann diese Tickets im Matheunterricht, als es mal wieder total langweilig war.Und verkauft hat er auch schon welche.......

Ok, die Idee ist nicht neu, aber sie zieht immer noch.

Mittwoch, November 25, 2009

Herbst

Der Herbst ist zu warm, fast schon heiß, die CDU steckt im Winterschlaf.Bei dem Wetter Plätzchen backen - nee, danke.
In Lippstadt gehen finanziell gesehen die Lichter aus - dafür gibt es bald einen neuen Pranger.
In Geseke passiert eigentlich wie immer nix - auch gut.
Wir gehen dann halt mal spazieren.....



Und dabei landen wir regelmäßig im oberen Teil der Pöppelschen, wo die ganzen Sonntagshundeausführer nicht mehr hinkommmen. Schade für sie, gut für uns.



Und da findet man dann auch so herrlich morbide Dinge, wie diese hier:

Samstag, November 21, 2009

Wo soll in Lippstadt der Pranger stehen?

Manchmal ist meine MHG ja echt Gold wert. Kaum wird es stiller um die heimische CVDU, werde ich aus dem beginnenden Winterschlaf geweckt. Fast dachte ich, ein neuer Zombiefilm würde beworben oder ein Serienmörder wäre gestellt: "Ich hoffe, dass ihnen das Blut in den Adern gefriert". Grandios, wirklich absolut umwerfend - das meine ich ernst.

Der Rest ist dann leider wenig erfreulich. Von Schmarotzertum und Ignoranz ist die Rede. Herr Ziems scheint ja mächtig auf Schaum gewesen zu sein wegen seinen Lämpchen. Angesichts der vielen Leerstände in der Stadt verstehe ich ja seine (wohl auch sehr persönliche) Sorge um das Weihnachtsgeschäft. Gestern abend nach dem Kino durfte ich ja die fortschreitende Dekonstruktion der Einkaufsmeile bewundern, doch wildes Umsichbeißen ist da sicher keine LÖsung.

Wenn von 100 Mitgliedern der Organisation über ein Drittel nicht mitmachen will, sollte das doch Herrn Ziems zu denken geben, oder nicht?
Warum wollen die denn nicht? Verdienen die nicht mehr genug? Sind die Mieten zu hoch? haben die keinen Bock mehr auf Werbegemeinschaft? Und wenn ja, warum? Bissi Selbstreflektion wäre manchmal ganz gut, aber es ist halt nicht jedem gegeben.

Am schlimmsten ist jedoch der Leserkommentar, der eine öffentliche Bloßstellung der "Verweigerer" fordert. Ohje, das kann auch mächtig nach hinten losgehen, mal ganz abgesehen davon, dass ich dabei ganz, ganz merkwürdige Gefühle bekomme.

"Kauft nicht bei Schmarotzern" - vielleicht noch kombiniert mit einem Grafitto am Schaufenster: Ein durchgestrichener Weihnachtssstern? Gruselig.

Jubeln erwünscht?

Ja, auch ich habe mir "My Fair Lady" angesehen - die Lippstädter Eigenproduktion mit immensen Vorschußlorbeeren. Und: Es war mein erstes Mal. Die vorhergehenden Inszenierungen kenne ich nicht, also keinerlei Vergleichsmöglichkeiten.Sorry, aber ich fand das alles recht bieder und ein wenig reizlos. Fast schon ein Deja-vu. Wenn schon "Eigenproduktion", dann wäre auch ein wenig "Eigenes" schön gewesen.

Ok, es ist eine Laienaufführung, bei der, so hörte ich, ca. 250 Menschen beteiligt sind. Stimmt das? Keine Ahnung.
Dafür war es ganz beachtlich, wenn auch nicht gerade umwerfend. Die Hauptdastellerin war wirklich gut, ebenso gefielen mir der Higgins und ein paar andere Figuren gut.

Von "Genial gelöst" kann aber wohl kaum die Rede sein. Die recht unmotiviert durcheinander storchenden Massenszenen im ersten Teil fand ich - mit Verlaub - eher überflüssig. Wobei ich ja nun gelesen habe, dass diese Szenen dazu dienen, die Beteiligten möglichst oft der Bühne stehen zu lassen. Hmmm, merkwürdiges Ansinnen. Und von Choreografie war gerade bei den Tanzeinlagen auch nicht wirklich immer was zu spüren. Meganervig fand ich die übertriebene Gestik mancher Darsteller. Das ist nun wirklich altbacken. Manche Gesangseinlagen (ich liebe dieses Wort) haben mich auch nicht vom Hocker gerissen. Andere waren wieder wirklich hörenswert. Aber Schwamm drüber, sind ja Laien und dafür ist es dann ok.

Und dann erscheint in MGH ein sehr wohlwollender, lobender Artikel und was passiert? Nicht etwa freuen sich die Menschen darüber, nein, es wird darüber gemeckert, dass eine winzig kleine Kritik angebracht wird.

Warum habe ich dabei nur ein schales Gefühl? Wahrscheinlich weil dabei Schein und Sein nicht passen wollen. Weil es offenbar nur um frenetisches Durchloben geht. Weil Kritik in keinster Weise erwünscht ist, ja sogar als Angriff gewertet wird.

OK, demnächst sollte wohl einfach auf eine Kritik verzichtet werden. Stattdessen einfach die Namen der Mitmacher auflisten, Bildchen dazu und irgendeine Jubelüberschrift. Gut isses....

Montag, November 09, 2009

Mauerfall als "wetten dass?"-Wette?

Ja, wir zerstreuen uns zu Tode. Und das letzte Zucken wird sicher noch mit dem gelifteten Grinsen des Herrn Gottschalk begleitet...."Wetten, dass sie nun stirbt? Topp, die Wette gilt!" (Kann den nicht mal wer entsorgen?)
"Spielerisch" will diese Inkarnation der klebrig-weichen Volksverdummung den Fall der mauer vor 20 Jahren darstellen, ach, was sage ich: nachempfinden.
Klar, das war ein großer Spaß damals, Haribo war auch dabei und fertigt seitdem Mauerklötzchen, die Heidi Klum sich zwischen die Zehen steckt um selbige in bekannter Art zu lackieren, rein spielerisch.
Dazu vielleicht noch Gitarren-Krampf nach Art der unsäglichen Spielekonsole.
Nee, viel besser, irgendwelche geldgeilen Tenöre intonieren "Freiheit" - ich schalte um.

Mittwoch, November 04, 2009

Vom angeblichen Wählerwillen und möglichen Koalitionen

Ok, gesetzt den Fall ich hätte einen der bösen CDU-Abweichler aus Lippstadt bei der Kommunalwahl gewählt und wäre außerdem nicht über die Abweichabsicht desjenigen informiert gewesen (was insgesamt sehr unwahrscheinlich ist), dann würde ich mich nun auch mächtig verschaukelt fühlen. Sehe ich ein, finde ich auch völlig daneben, was die Jungs da gemacht haben.

Aber aufgrund der neuen politischen Machtverhältnisse nun davon zu reden, dass die Listenverbindung von SPD, FDP und Grünen nicht dem Wählerwillen entspricht, finde ich höchst merkwürdig und undemokratisch.
Ein Blick ins Internet zeigt mir, dass es in Erwitte die CDU auf recht erklecklichen 34,6 % hockt. Die FDP holte 26,4 %. Wenn man das als "gesittete Verhältnisse" beschreiben möchte, gut, ist halt Ansichtssache, aber eben Wählerentscheidung. Normalerweise wählt man ja auch nicht von vorneherein eine Koalition, sondern eine Partei.

Politik braucht Mehrheiten und wenn man diese als Partei nicht alleine beschaffen kann, muss man sich eben nach möglichen Partnern umsehen. ist halt wie im richtigen Leben. Wenn ich das richtig sehe, hätten CDU und FDP es im Lippstädter Rat gemeinsam auf 25 Sitze gebracht - also hätten sie auf jeden Fall die BG gebraucht. Nach der Abspaltung fehlen dann ja wohl 4 Stimmen/Sitze bei der CDU, also sieht die Sache noch böser aus. Klar, 2004 war das noch eine anders, aber so ist es eben mit den Wahlen - wäre ja auch alles einfacher, wenn da nicht der Wähler wäre. Defacto haben im Moment CDU und SPD dieselbe Anzahl Sitze. Hmmm.....

Die Wahlbeteiligung lag bei mageren 42 % - nicht grade der Brüller. Und insgesamt haben nun die bösen Oppositionsparteien auch ein ansehnliches Sümmchen an Stimmen erhalten. Da die FDP aus völlig verständlichen Gründen keinen Bock auf die Zusammenarbeit mit der CDU hatte, suchte sie sich frei nach dem Motto "Andere Mütter haben auch schöne Kinder" halt was Besseres.
Und das ist nach unserem Wahlrecht auch völlig legitim, ja sogar gewollt.Ob es nun so wunderbar ist, dass die gerade die Abweichler und letztlich die Vertreter der "Linken" Zünglein an der Waage spielen dürfen, ist eine andere Frage.

Think positive - die Zeiten gähnend langweiler Durchwinkerei von Entscheidungen im Stadtrat sind vorbei. Und der Wähler kann die nächsten vier Jahre ganz genau hinschauen, wer von den Kommunalpolitikern nun sein Wort hält und wer nur in der letzten Reihe das Sitzungsgeld kassiert. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Montag, November 02, 2009

CDU-Lippstadt - nun wird zurückgeschossen.......

Die Kriegsberichterstattung ist für mich ein neues, jedoch sehr faszinierendes Metier. Der angebliche Neuanfang der CDU nahm am Wochenende fast die gesamte dritte Seite des Lokalsteils meiner geschätzten Heimatzeitung ein. Der Bürger sprach hingegen auf Seite 2. Und auf eben dieser Seite konnte auch der Leserbrief eines CDU-Ortsteil-Politikers zur Kenntnis genommen werden. Jener Herr Luig startete hier eine Offensive über die Flanke. Nur zur Klarheit: Der Mann gehört zum Heer von Herrn Hammer - schließe ich aus seinem Brief.

Nun, der Leserbriefschreiber hat durchaus Recht, wenn er den greisen CDU-"Granden" (wobei ich das ja sehr euphemistisch finde) ein gebetsmühlenartiges Wiederholen der unklaren Kritik an General Hammer vorwirft. Was hat der Mann eigentlich getan? Könnte mir das mal jemand erklären?

Der Hinweis, dass die Abweichler ja unter dem Deckmäntelchen der CDU ihr Mandat erhalten haben, ist auch korrekt. Kommt beim Wähler möglicherweise auch nicht gut an. Aber um den Wähler geht es ja bei diesem Krieg schon lange nicht mehr. Und mit Sicherheit auch nicht mehr um politische Inhalte oder gar um Lippstädter Themen.

Mich beschleicht immer mehr der Verdacht, dass es bei der ganzen Auseinandersetzung niemals um Inhalte oder um politische Fragen ging.
Das Stimmvieh hat seine Schuldigkeit getan. Leider sehr zum Entsetzen der CDU, wie ja auch Hajo Kaiser anmerkte, nicht in der Form, die eigentlich traditionell erwartet wird, aber immerhin. Nun ist der Wähler raus aus der Sache und kann es sich mit Kaffee und Kuchen, zu fortgeschrittener Stunde auch bei dem einen oder anderen Glas Wein, am Schlachtfeldrand gemütlich machen. Feuerschalen und warme Decken sind mitzubringen.
Das erinnert mich nun wieder an "Asterix auf Korsika" wo die sehr sympathischen korsischen Senioren die unvermeidliche Schlacht höchst erhellend kommentieren. In Lippstadt wären dann folgende Dialoge denkbar:

"Ach, guck mal, ist das nicht der kleine Kaster, der Sohn von dem alten Kaster, der da vorbeifliegt?"
"Genau, und da boxt die Hannelore. Die war in der Schule schon so durchsetzungsfähig. Wem haut sie denn auf den Kopf?"
"Das ist doch der kleine Jan vom Dorf. Schon sein Onkel wollte unbedingt nach Lippstadt......Ui, nun hat sie ihn an den Hammerbeinen."
.......

Irgendwer wird schon bei dem ganzen Gekeile übrigbleiben und im Zweifelsfall das CDU-Paddelboot (von einem stolzen Segler kann ja nicht mehr die Rede sein) wieder auf Kurs bringen wollen. Im Moment gibt es zuviele Kapitäne und kaum noch Matrosen.

CDU - nun greift die Infanterie an....

Vollmundig verkündete am Wochenende meine geschätzte Heimatzeitung: "Wolf setzt Zeichen für CDU-Neuanfang".Mal abgesehen von der netten Anspielung an die Gebrüder Grimm (Wer ist der Wolf und wer sind die sieben Geißlein?), ist es ja nun de facto so, dass nicht der böse Wolf für den Neuanfang steht, sondern ein gewisser Herr Kaster. Denn der gute Wolf verzieht sich ja " ratlos und traurig" in den Wald und jammert "wie erbärmlich die einst stolze CDU dastehe". Ohje, klingt schon fast nach Depression.

Was ist passiert? Die Ortsunion Lippstadt, die offensichtlich dem guten Herrn Hammer alles andere als wohlgesonnen ist, wählte einen neuen Vorsitzenden, eben jenen Herrn Kaster. Und dieser neue Vorsitzende haut als erstes mal richtig drauf, verbal, versteht sich. Da ist von persönlichen Eitelkeiten die Rede, denen er die Grundlage entziehen will. Soso....das wäre bei der CDU ja mal was ganz neues....Fehlen dürfen auch nicht die markigen Sprüche, mit denen die Mitglieder auf Linie gebracht werden sollen. "Präsenz und Aktivität" werden gefordert. Sehr nett folgender Satz:

"Ein `Weiter so`wird es mit mir nicht geben."

Huch, sollen die Mitglieder nun Angst bekommen oder was meint der Mann?

Andererseits: Wenn es mit der CDU denn nun wirklich so weiterginge, wie im Moment, wäre das sehr amüsant. Mal gucken, wie weit diese Partei sich noch dekonstruieren kann. Schade eigentlich, dass Herr Kaster mir diesen Spaß nehmen will, wobei ich mal vermute, dass seine Kampfansage eher für noch mehr Spaß sorgt.

Faszinierend ist ja die Tatsache, dass nicht Herr Kaster mit dem bösen Herrn Hammer ins Gericht geht, sondern der scheidende Wolf. Sehr geschickt gedacht, liebe CDUler, aber sehr durchsichtig. Denn dieser Herr Wolf, der ja vorher schon "mea culpa" genuschelt hat, haut nun richtig drauf:

"Der Stadtverbandsvorstand (damit ist Herr Hammer gemeint) sollte erkennen, dass er nicht fähig ist, die Gesamtheit der Union zu führen."

Aha....das haben wir nun schon öfter gehört oder gelesen, wobei wir immer noch nicht wissen, was damit konkret gemeint ist. Ich fasse kurz zusammen: Es war von "Pöstchengeilheit" die Rede, von "erwiesener Unfähigkeit" und von bösen Mächten hinter Herrn Hammer.....dazu bemühte man sogar irgendwelche schon recht greise CDU-Gesteine, die kraft ihrer gemutmaßten Autorität solche wirren Anschuldigungen äußerten.

Aber ernsthaft: Haben wir irgendwas Gehaltvolles zum Thema "erwiesene Unfähigkeit" erfahren? Nöö, haben wir nicht.
Wir ahnen nur, dass es offenbar um persönliche Eitelkeiten geht, da hat Herr Kaster wohl recht, und dass bisher nur das Heer um die Generäle Laumanns und Bartmann-Salmen (wobei die Vorstellung von Frau Bartmann-Salmen in Uniform mich mehr als verzaubert) angreift. Momentan wieder über die Flanken, da der gegenerische General sich mit seinem Stab hinter die Linien zurückgezogen hat.

Von einem Neuanfang, wie es uns meine MGH so vollmundig ans Herz legt, kann also nicht die Rede sein. Eher vom Beginn einer neuen Schlacht. Klingt nach "Getrennt marschieren, vereint schlagen".

Da paßt dann auch der recht einseitige Kommentar in MGH ins Bild, der nach dem gebetsmühlenartigen Wiederholen der angeblichen öffentlichen Kritik an Herrn Hammer höchst philosophisch Selbsterkenntnis einfordert.

Donnerstag, Oktober 29, 2009

Leserbrief in eigener Sache des Verlegers

Wie ich seit heute weiß, ist der Posten eines stellvertretenden Bürgermeisters angesichts der abzuleistenden Repräsentationsstunden bei diversen Veranstaltungen nicht sonderlich lukrativ. Wer will sich schon, wenn er nicht ein grenzenloser Exibitionist ist, die Wochenenden derart vergeigen lassen?

Aber dennoch regt sich Neid oder ist es nur eine Art Reflex? Jedenfalls stellte ich heute morgen bei der Lektüre meiner sehr geschätzten Heimatzeitung fest, dass "Lück inne Porz ze hänge" (für Westfalen: wörtlich bedeutet das "Menschen in die Tür zu hängen" sprich: über Menschen öffentlich herzuziehen) mittlerweile gesellschaftlich goutiert wird. Jedenfalls im ach so katholischen Westfalen. Wie war das doch noch mit dem Splitter im Auge des Anderen und dem Balken? Aber das Wörtchen "christlich" ist offenbar sehr dehnbar.

Es ist sogar möglich, Menschen ganz öffentlich der Gier zu bezichtigen, wobei ich nun angesichts der doch recht mäßigen Entlohnung für die politische Tätigkeit den im Leserbrief vorgeführten Herrn nicht in die Nähe von Ackermann und Konsorten stellen würde. Aber das am Rande.....

Vielmehr irritiert mich,was MGH mir da als Leserbrief verkaufen will? Und vor allem wen als Leser? Nun, für einen Verleger und sei er auch nicht mehr derart aktiv, wie in seinen besten Jahren, sollte es wohl selbstverständlich sein, sein Blatt auch zu lesen. Insofern ist er schon ein Leser, wie ich hoffe.
Doch allen Ernstes für einen derart persönlichen Angriff, der auf Hörensagen beruht und wo es noch dazu um lächerliche, geradezu kleinkrämerliche Summen geht, einen Leserbrief zu fingieren, ist grober Unfug.
Unter "In eigener Sache" wäre diese Verbalattacke auch nicht recht plaziert, immerhin geht es nicht um die "Sache" (und schon mal gar nicht in sachlicher Form), sondern es geht ganz eindeutig um einen einzigen Menschen, der hier öffentlich demontiert werden soll.
Mies, ganz mies.

Wem nützt es?
Der CDU als Partei in Lippstadt gewiss nicht. Solche Schlammschlachten sollten vernünftige Menschen unter sich ausmachen.
Dem Verfasser des "Briefes" vielleicht. Immerhin fühlt er sich, wie ich hoffe, nun besser. Quasi ein therapeutischer Akt.
Der Front um besagten Leserbriefschreiber auch nicht.
Eigentlich hat nur der geneigte und hoffentlich mit Verstand gesegnete Leser etwas davon, nämlich eine Erkenntnis und aus dieser kann er seine Schlüsse ziehen. Nach der Wahl ist vor der Wahl und bald gehts wieder los mit dem Gerangel um die Wählergunst.

Dienstag, Oktober 27, 2009

Die Lippstädter CDU und die Dekonstruktion

Die Folgen der geradezu possenhaften Selbstzerstörung der CDU treiben immer beachtenswertere Blüten. So liest der interessierte Bürger, dass nun die Pöstchen im Lippstädter Stadtrat frei nach dem Prinzip der Reise nach Jerusalem neu besetzt wurden.

Viel spannender ist aber die schon poststrukturalistsch zu nennende Verhaltensweise der CDU. Betrachtet man die CDU nicht als Partei, sondern in einer anderen Funktion als "Gegenstand", der sich selbst thematisiert, drängen sich Assoziationen mit der Dekonstruktion geradezu auf. Kurz zum Auffrischen hier ein Einblick:

"Die Dekonstruktion geht grundsätzlich davon aus, dass die Thematisierung bestimmter Gegenstände (...) andere zugleich ausgrenzt. Anstatt nur auf explizit mitgeteilte Information konzentrieren sich dekonstruktivistische Analysen daher auch und besonders auf diejenigen Faktoren, welche diese Thematisierung erst ermöglichen.(...)Dies ermöglicht dann Fragen zu stellen wie: welche Ausgrenzungs- und Etablierungsmechanismen, welche Strategien des Glaubwürdigmachens, welche hierarchischen Strukturen eines Signifikantengefüges erlauben, das entsprechende materielle Gefüge als sinnhaften Bedeutungsträger zu verstehen und auf eine bestimmte Bedeutung oder „Aussageabsicht“ zu reduzieren? An welche Konstitutionsbedingungen sind die entsprechenden Sinn- und Geltungsansprüche gebunden? Dies kann insbesondere auch Konflikthaftigkeit, Aggressivität, verdeckte Gehalte und Intentionen sichtbar machen."

Tja, treffender kann man die aktuelle Situation eigentlich nicht beschreiben. Im Klartext, die CDU betrachtet sich sozusagen gerade selbst als Gegenstand durch die dekonstruktivistische Brille und enttarnt damit alle diese bekannten Mechanismen: die Ausgrenzungen andersdenkender Mitglieder, die jahrelangen Etablierungstechniken, die Metaebene der politischen Aussagen, die stets verdeckten Strukturen hinter dem Offensichtlichen.
Und leider (oder glücklicherweise) kommen so auch die kleinen, teils miesen Emotionen ans Tageslicht.

Samstag, Oktober 24, 2009

Weiter so, CDU - Neues von der Bartmann-Salmen-Front

Schon klar, dass nun alles unklar ist - jedenfalls was die neuen Mehrheiten, aktuelle Listen und überhaupt den Lippstädter Stadtrat angeht.
Schon klar, dass da mit Sicherheit viele Köpfe hochrot angelaufen sind.
Auch völlig verständlich, dass die Lippstädter FDP im Moment keine Lust verspürt mit auf dem sinkenden Schiff über die Lippe zu gondeln. Würde ich an deren Stelle ja auch lassen.

"Bernd Neuhoff, Fraktionsvorsitzender der FDP, bestätigt die geplante Listenverbindung mit SPD und Grünen. Da sei es am ehesten möglich, eigene Inhalte durchzusetzen, so sagt er und führt gleichfalls Sach- und Fachkriterien als maßgebend ins Feld. Zwar stehe man grundsätzlich der CDU näher, aber mit Blick auf die momentan so desolate Verfassung der Lippstädter CDU könne man die nicht als verlässlichen Partner sehen, fügt der Sprecher der Liberalen hinzu. Neuhoff: „Das ist ein Sonderfall“. Vorausgegangen seien dieser Entscheidung viele Gespräche mit den anderen Fraktionen."

Sehr nett und auch amüsant sind die möglichen Folgen des CDUinternen Wirrwarrs:

"SPD-Fraktionschef Hans-Joachim Kayser sprach zwar gegenüber unserer Zeitung von einer „unklaren Gemengelage“. Er hofft aber, dass bei der Ratssitzung am Montag die Überraschung gelingt und die „Ampel-Liste“ zum Zuge kommt - womit dann die CDU, jahrelang die dominierende Kraft im Rathaus, das Nachsehen haben dürfte bei der Besetzung der Bürgermeister-Posten, Rats-Ausschüsse und Aufsichtsräte der städtischen Gesellschaften.
Demnach könnte Sabine Pfeffer (SPD) erste stellvertretende Bürgermeisterin werden - ein Amt, das bislang die CDU als größte Ratsfraktion inne hat. FDP-Chef Dr. Bernd Neuhoff fiele der Vorsitz im wichtigen Planungsausschuss zu (bisher CDU). Und SPD-Fraktionschef Hans-Joachim Kayser könnte als Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrats Bürgermeister Christof Sommer (CDU) verdrängen."

Ich werde nun nicht behaupten, dass ich Mitleid mit der CDU empfinden. Immerhin sie sich ja den Ast auf dem sie sitzt selbst abgesägt...ach, was rede ich, wohl eher schon den ganzen Stamm. Soviel Blödheit geht ja auf keine Kuhhaut mehr.

Aber völlig daneben ist wohl der Eintrag der guten Hannelore Bartmann-Salmen im Forum meiner geschätzen Heimatzeitung:

"von Hannelore Bartmann-Salmen, am 24.10.09, 12:47 Uhr
Alleine hätte Herr Hammer niemals soviel Unheil für die CDU Lippstadts anrichten können.Darum muss man fairerweise den geistigen Urheber benennen ,der Herrn Hammer instrumentalisiert hat . WILHELM BÖRSKENS ."

Das, mit Verlaub, ist ja nun unterste Schublade! Ich musste ja erst zweimal hingucken, bevor ich die merkwürdige Präsentation des öffentlichen Spießrutenlaufens verstand. Sorry, oder besser kein sorry, das geht nunmal gar nicht und damit hat sich Frau Bartmann-Salmen für mich auch definitiv endgültig ins politische Off geschossen. Hoffentlich bleibt sie da.

Samstag, Oktober 17, 2009

Lippstädter CDU in der Krise?

Wie hinlänglich bekannt, sind die Mehrheitsverhältnisse im Lippstädter Stadtrat recht dürftig. Die CDU musste nach den doch deutlichen Stimmverlusten nach der Kommunalwahl von ihrem sicheren Pölsterchen Abschied nehmen, was bei mir persönlich nur wenig Mitleid hervorrief.

Kurz nach der Bundestagswahl, die - wir wissen - auch nicht gerade so grandios für die Christdemokraten (ich bin ja sicher, dass die in Lippstadt nur gewählt werden, weil sie das Wörtchen "christlich" im Namen führen)ausging, nun der Hammer aus Lippstadt. Vier CDUler erklären sich zu einer neuen Fraktion, machen richtig Wind und holen mal fix zum Rundumschlag aus. Wie passend, dass den Herren ihr Gewissen erst nach der Wahl schlug - da hatten sie ihre Mandate ja in der Tasche, was auch einigen fleißigen Leserbriefschreibern schon aufgefallen ist.

Es geht wohl um "Lagerdenken" um "persönliche Seilschaften" und um den Vorwurf der "Pöstchenschieberei". Himmel, das sind doch alles alte Hüte! In Lippstadt pfeifen es doch die Miniermotten von den Kastanien, was in Sachen CDU seit Generationen läuft. Apropos, Generationen.......spannend in dieser Hinsicht ist ja Folgendes, was hier nachzulesen ist, aber aus verständlichen Gründen nicht den Weg in meine sehr geschätzte Heimatzeitung gefunden hat.


"Nun meldet sich Pressesprecher Siegfried Pfenninger mit den „wahren Hintergründen” zu Wort.

In Wirklichkeit, so Pfenninger in einer Presseerklärung, passe ihnen nicht, dass der mit einer deutlichen Mehrheit gewählte Werner Bresser neuer CDU-Fraktionsvorsitzender ist.

Die CDU-Lippstadt sei jahrzehntelang „von dem ,System Dr. Michael Laumanns'” dominiert worden, geprägt durch Abhängigkeiten und Bevormundungen”. Zuletzt seien die „Strippen” mit Hannelore Bartmann-Salmen, der damaligen CDU-Stadtverbandsvorsitzenden, gezogen worden, „um die CDU mit ihnen wohlgesonnenen Personen auf ihre Linie zu bringen”. "


Das ist ja nun nicht gerade empathisch oder gar diplomatisch und so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass es sich in der Lippstädter CDU offenbar um ein wahrhaft expressionistisches Problem handelt. Arnolt Bronnen (ein doch recht zwielichtiger Autor, das am Rande, aber er passt hier in mehrfacher Hinsicht) forderte: Tötet die Väter. Soviel literaturhistorischen Verstand hätte ich den CDUlern ja gar nicht zugetraut. Immerhin traut sich besagter Herr Pfenniger, von dem übrigens in MGH (meiner geschätzten Heimatzeitung) nicht die Rede war, Ross und Reiter beim Namen zu nennen.

Und was passiert?
Der Bürger steht da und wundert sich.
Frau Bartmann-Salmen bekennt sich als Mobbing-Opfer.

Herr Pfenniger und Herr Hammer haben eigenartige Vorstellungen von Ausgeglichenheit:

"Das Argument „Lagerdenken Kernstadt gegen Ortsteile” mache keinen Sinn: Der im Jahre 2007 gewählte Vorstand des CDU-Stadtverbandes bestehe mehrheitlich aus den Mitgliedern der Ortsunion Lippstadt. Vielmehr sei der Vorstand ausgeglichen besetzt."

Der Kommentator bezeichnet das alles völlig "wertfrei" als Drama.

"Klar dürfte nur soviel sein: Die CDU in LIppstadt erlebt momentan ein ganz trauriges Kapital in ihrer Geschichte...(sic)"

Sorry, aber der politisch halbwegs bewegte Mensch schüttelt da einfach nur noch den Kopf.
Wer sich die Suppe einbrockt, muss sie halt auch auslöffeln. Selbst schuld.