Donnerstag, Oktober 18, 2007

endlich geht in ruck durch unsere stadt

gestern abend präsentierten architekten, stadtverwaltung, investor und wirtschaftsförderung die lang ersehnte neuplanung für das güterbahnhofgelände. bereits zu anfang bemühte sich der sogenannte moderator ewald prünte, ein kommunikator vor dem herrn, darum, eine diskussion abzuwehren. dies sei eine infoveranstaltung, kein diskussionsabend. wie schön, dass die anwesenden mündigen bürger sich nicht komplett den mund verbieten ließen.

einig waren sich alle darin, dass etwas in lippstadt passieren muß. dann war schon ende mit der einigkeit.
bezeichnend war die art der kommunikationskultur, die von seiten der befürworter des neuen schandflecks praktiziert wurde. herr prünte beliebte die mitglieder der bürgerinitiative als "jungs und mädels" zu bezeichnen. sehr nett auch die formulierung "totes lippstadt", wenn denn der billigschuppen nicht gebaut würde. hach, ich finde es immer wieder schön, wie objektiv und ausgleichend sogenannte moderatoren oft sind.
offenbar teilten einige anwesende meine meinung, denn als herr prünte dann beliebte einen sprecher der initiative einfach mundtot machen zu wollen, bekam herr prünte was einem prünte gebührt: gegenwind und eine verbale watschen.
und das von einem offenbar honorigen herrn, der nun sicher nicht zur hippie-kultur gehört.

augenscheinlich hatte die investoren-liga damit gerechnet, dass von der initiative nur wenig brauchbares präsentiert würde. nachdem man einsehen musste, hier im irrtum zu sein, fiel den herren nichts mehr ein, als dumme polemik und billige beschwörungen. (siehe "totes lippstadt")

sehr peinlich, als dann bekannte lippstädter wie uwe stedtfeld und herr jasper das wort erhielten und sich nun gar nicht so begeistert über den neuen kaufland-mega-bunker äußerten. recht haben sie.
die ansiedlung dieses konsum-desasters jenseits der cappelstraße hat nun sicher nichts mehr mit den ursprünglichen plänen gemein. und da konnten die herren sich drehen und winden, das GMA-gutachten dehnen und drehen, da beißt die maus keinen faden ab.

ein wahres highlight des abends stellten die ausführungen des architekten dar. mein favorit: die darstellung der hospitalstraße als lichtflutetes wohngebiet. toll. der wunderschöne ausblick auf die betonwand des kaufland-kartons, die zig autos, die stündlich durch die straße fahren.....oh wie schön, da will man leben und auf den klotz blicken. ich kann immer nicht fassen, für wie dumm, man verkauft werden soll. das gelächter der anwesenden zeugte aber von gesundem menschenverstand.

schön, dass in lippstadt endlich mal eine demokratische kultur entsteht. noch schöner, dass viele bürger sich beteiligen, sich einmischen.
wer hätte gedacht, dass einmal mündige bürger die stadtverordneten, investoren, wirtschaftsförderer in den verbalen schwitzkasten nehmen? ich nicht.
es ist unsere stadt: nicht die von HLG, nicht die von RKW...die wollen, was sie ja auch zugeben, hier einfach kohle machen.
und nebenbei: von höheren steuereinnahmen kann wohl keine rede sein....kaufland versteuert in neckarsulm.

Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Wenn sich jemand Moderator schimpft und dann nicht objektiv bleibt, werde ich hellhörig. Also habe ich mal nachgeschaut:

Herr Prünte hat eine ansehnliche Karriere, in Verlagen und Radiosendern hinter sich, teilweise als Geschäftsführer, einmal als Chefredakteur.

Heute ist er Chef einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit. Und die kommunizieren erstmal so, wie sie vom Auftraggeber gebrieft werden. Grundsätzlich ist das auch völlig OK.

Man sollte also zuächst hinter Herrn Prünte schauen um zu sehen, wer da wirklich "schießt".

Menschlich und bezüglich der Professionalität hat Herr Prünte sich allerdings vorzuhalten, dass er einige Lehren aus seiner bisherigen Karriere als Journalist über Bord geworfen hat - für ein paar Euro. Denn er hat sich vor einen Karren spannen lassen, anstatt die Aufgabe eines Moderator wahrzunehmen. Auf solche Weise kann die PR-Branche weiter in Verruf geraten.
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Freut mich, dass die Initiative Gehör findet und die Bürger sich mehr einmischen. Kann sich eigentlich noch etwas am geplanten MediaKauflandBlock ändern?

annalog - rheinisch-westfälische völkerverständigung hat gesagt…

hallo andreas,
schon klar: wes brot ich eß, des lied ich sing. eben das hat man ja an dem abend auch verfolgen können. aber dann sollte man sich nicht als moderator vorstellen, sondern als pr-organ.
und spannen lassen hat er sich ja nicht, er ist ja offizieller berater der stadt in sachen betonkltz-neubau. insofern war klar, welchen job er da machen soll. vergriffen im ton hat er sich eindeutig, job hin oder her.

ändern kann man immer was. noch ist kein gebäude abgerissen. und wozu gibt es denn das recht auf ein bürgerbegehren, wenn nicht für solche situationen? vielleicht sollte man auch eine online-zeitung gründen und weiter aufklärung betreiben.